Das JENISCHE Dorf im Schwarzwald - Lützenhardt ....

 

 

Jenische Kultur pur ...
Bürstenbinder

Um 1865 ist das Bürstenbinderhandwerk bereits ziemlich angewachsen und damit auch der Hausierhandel, während der Anteil der sonstigen Handwerke laufend zurückgeht. Die Bürstenbinder verbessern im Wettbewerb untereinander ihre Herstellungsmethoden. Um die Arbeit zu erleichtern, werden im Dorfeine Bohrmaschine und ein Drehstuhl aufgestellt, die für eine geringe Gebühr benutzt werden können.

Hausierhandel

Die meisten der Hausierer besitzen einen kleinen vierradrigen Karren, den sie mit einem Notbett, dem nötigsten Geschirr und mit der Verkaufsware beladen und dann zu zweit miteinander ziehen. Sie sind in der Regel den ganzen Sommer über auf der Reise und kommen auf den Winter zurück, um wieder neue Ware herzustellen. Im Winter verkaufen sie nur auf kürzeren Tagestouren. Die großen Reisen gehen ins ganze damalige "Inland" Württemberg, ins badische Nachbarland und nach Hohenzollern. Wenn die Eltern auf der Reise sind, müssen die Kinder bei Nachbarn oder Verwandten in Kost gegeben werden. Nur wenn sie Schulferien haben, dürfen sie mit auf die Reise. So ist der weitaus größere Teil der Lützenhardter regelmäßig wochen- oder monatelang auf der Reise. Einige von ihnen schaffen sich für die weiten Reisen auf den Straßen sogar einen Planwagen an.

Bis Heute ....

Auf Grund dieser Zielvorstellungen schließen sich 1974 die Gemeinden Tumlingen, Hörschweiler, Lützenhardt, Cresbach und Salzstetten zur neuen Gemeinde "Waldachtal" zusammen. Ein Bürgermeister für die Gesamtgemeinde wird gewählt, und für die fünf Teilgemeinden werden ebenso viele Ortsvorsteher gewählt. Ortsvorsteher für die Teilgemeinde Lützenhardt wird der letzte Bürgermeister der alten Gemeinde Lützenhardt, Rudolf Axt.

Damit ist die zweifellos einmalige Entwicklung der selbständigen Gemeinde Lützenhardt vom Einzelhof über die Tagelöhner-, Bürstenbinder- und Hausierergemeinde zur Fremdenverkehrsgemeinde einstweilen abgeschlossen. Es war ein zweihundert Jahre langer verzweifelter Existenzkampf der Lebens- und Arbeitsgemeinschaft, der politischen Gemeinde und der Pfarrgemeinde Lützenhardt, die dann doch im Laufe von zwanzig Jahren aus eigener Initiative heraus die Voraussetzungen dafür geschaffen hat für das, was sie heute ist: ein lebens- und liebenswerter Erholungsort für zahllose Kurgäste und eine beneidenswerte Heimat für ihre Bürger.