Dr. phil.h.c. Mariella Mehr .....

Geboren 27.12. 47, in Zürich, Schweiz, als Jenische, eine Angehörige des Roma-Volks.

Ab 1974 publizistische Tätigkeit für diverse Schweizer Zeitungen und Zeitschriften. Eine Auswahl von Publikationen ist im Band „Rückblitze“ bei „Zytglogge“ 1990 zusammengefasst. Seit 1981 ist sie ausschliesslich politisch und schriftstellerisch tätig Politisch setzte sie sich mit Erfolg für Minderheiten, Flüchtlinge, Diskriminierte, Behinderte und Aussenseiter der Gesellschaft ein und machte sich in der Schweiz entsprechend unbeliebt. Trotzdem wurde sie für ihre Leistungen auf diesem Gebiet 1998 mit dem Ehren-Titel eines Dr. phil. h.c. der historisch-philosophischen Fakultät der Universität Basel geehrt.

Sie hat nie „leichte Kost“ oder „Infotainment“ geschrieben. Sie hat, wie Lessing, das politische nie vom literarischen und das literarische nie vom politischen getrennt. Entsprechend ist auch ihre Rezeption durch das breite Publikum. Von allen ihren neueren Veröffentlichungen wurden in den ersten zwei Wochen nach Erscheinen in der Schweiz ca. 1000 Stück verkauft . Sie gehen an die Kenner, die sich nichts entgehen lassen, was von Mariella Mehr erscheint. Der Rest der Auflage wird in 2 – 3 Jahren abgesetzt, ausschließlich in der Schweiz. Der Verlag tut nichts um dies zu ändern. Was nicht best­sellerverdächtig ist, ist out, wird totgeschwiegen, nicht nachgedruckt, wenn die Auflage verkauft ist, selbst dann nicht, wenn es Teil einer Trilogie ist. Das Produkt „Buch“ wird unabhängig vom Inhalt und literarischen Qualitätskriterien vermarktet.

Mit Mariella Mehr schreibt ihr Verlag angeblich rote Zahlen. Eine Erschliessung des gesamten deutschsprachigen Buchmarktes, der fast 20 mal grösser ist als der schweizerische, hat einen zweifelhaften „return on investment“, ist zu riskant. Risikokapital gibt’s nur für „newcomer“ mit angeblichem „Bestsellerpotential“. Davon drucken die Verlage jährlich 75'000 Titel, die nach der Buchmesse im Reisswolf landen. Sie treiben den „break even“ auf 50'000 Stück in den ersten 6 Monaten und seriöse Literatur auf die Friedhöfe der zwangs-verblödeten Konsumgesellschaft.

Verlage dürfen das. Ihre vertragliche Verpflichtung, das „verlegte Werk gehörig bekannt zu machen“ ist Makulatur und kann vor keinem Gericht durchgesetzt werden.

Der Auftrag der Germanistik-Lehrstühle der Universitäten ist ein anderer. Literarische Qualität ist dort ein Thema. Mariella Mehr könnte somit ein Thema sein! Bitte verstehen Sie dies nicht als Anspruch an Sie persönlich, das steht mir nicht zu. Ich hoffe aber, dass ein paar Lehrstühle für Germanistik auf Mariella Mehr aufmerksam werden, sie vielleicht ihren Studenten zur Lektüre empfehlen oder sogar als Thema für eine Dissertation vorschlagen.

Eine vollständige Bibliografie finden Sie in der WebSite http://www.mariellamehr.com/bibliografie.htm

Die Bibliografie umfasst bis heute 14 Titel darunter 6 Prosawerke, 3 Theaterstücke und 4 Lyrik-Bände.

Die Aufnahme der Publikationen durch die Literaturkritik war durchwegs positiv. Sie werden stets ganz besonders für die Kongruenz von Sprache und Inhalt, eine klassische Forderung an „gute Literatur“, gelobt. Mariella Mehr ist eine der seltenen aktuellen Autorinnen, der dies auch bei ihren teils drastischen Inhalten gelingt. Auf der WebSite: http://www.mariellamehr.com/inhalt.htm finden Sie Zugang zu allen ihren Büchern, zu Textproben und Kritiken.

Entdecken Sie Mariella Mehr und geben Sie ihr den Platz und den Rang, der ihr in der Literatur­geschichte der neusten Zeit zukommt. Ihr Urteil ist maßgeblich und relevant!

Mariella Mehr und Ihr Urteil über ihr Werk werden die unqualifizierbaren Zustände im gegenwärtigen Verlagswesen überleben.

Prosa von Mariella Mehr

Steinzeit, Roman, Zytglogge, Gümligen, 1981

Diese Schrift ist die ganz besondere Stimme einer in bizarre Visionen gezwungenen Seele, die in Bewusstlosigkeit, durch die Unmenschlichkeit der psychiatrischen Behandlungen, in Ermangelung jeglicher Empathie in die zeitlose Ewigkeit der panikartiger Angst gezwungen wird – das Ganze im regellosen Stil des Realismus, Surrealismus und des Expressionismus, das durch die literarischen Fähigkeiten der Autorin doch in einen kohärenten Stil mündet.

Literarisch sehen wir gerade darin ihr grösstes Verdienst, damit auch einen authentischen Beweis der Begabung der Autorin: es ist ihr bewusst oder unbewusst gelungen, den schizophrenen (oder in Schizophrenie gezwungene) Seelenzustand zu beschreiben. Dieser Text konkurriert auf jeden Fall mit den bedeutenden Beschreibungen psychiatrischer Leiden des vergangenen Jahrhunderts, angefangen mit Tschechows „Krankenzimmer Nr. 6“, bis zu Sylvia Plaths „Glasglocke“.

Ich denke, es ist nicht allzu wagemutig zu behaupten, dass wir dank der ausserordentlichen Leistung des Übersetzers István Dévény, (der mit viel Liebe und Empathie sich dem Werk nähert), eines der Meisterwerke der letzten 50 Jahre in unseren Händen halten können.

Zsuzsa Beney

Das Licht der Frau, Ein Bericht über Stierkämpferinnen, Zytglogge, Gümligen 1984

In dieser mich anrührenden, mich bewegenden Erzählung hat eine Frau sich ungesichert ihre Sprache erschrieben, die ein Exempel für das ist, was Frauensprache heissen wird. Eine – der Mondin sei Dank! – mutige, auch ungezähmte Sprache, zum Lesen zum Staunen, zum Leben.

Otto F. Walter

Zeus oder der Zwillingston, Roman, R+F, Zürich, 1994 (vergriffen, erhältlich bei Mariella Mehr)

Der belgische Poet Gilbert Tassaux, die griechische Mythologie und der Alltag in der Psychiatrie

Ein Ton zieht sich durch dieses Buch, der neu ist und verblüfft. Daß die Schriftstellerin scharf beobachtet, daß sie trifft mit ihren Sätzen, kennen wir von ihren früheren Prosatexten. Doch die äußerst verknappte und verdichtete Poesie von „steinzeit“ ist einer großzügigen Epik voller Geschichten und Nebengeschichten gewichen: kraftvoll, humorvoll, lebendig.

(Neue Zürcher Zeitung)

Daskind“, Roman, Nagel & Kimche, Zürich, 1995

Bewegend - und bewundernswert - ist die Darstellung innerer Vorgänge, beispielhaft die Präzision der Sprache und die feine Überlegenheit, welche die Autorin zu wahren versteht. Sie geht nahe an ihre Figuren heran, redet aus ihrem Inneren, mit einer bewundernswerten Kraft der Verwandlung und Identifikation; aber sie wahrt den Überblick und deutet eine Erzählinstanz an, die sich nicht in den Figuren verliert.

(Elsbeth Pulver in Neue Zürcher Zeitung)

„Ein Kunstwerk, eine auf 224 Seiten sich entfaltende „wahre“ Literatur, denn sie ist aus der Not geboren, sie vereint Inhalt und Form als ein kunstvolles Ganzes.“

(NDR)

Brandzauber“, Roman, Nagel & Kimche, Zürich, 1998

In «Brandzauber» (1998) trieb Mariella Mehr die verwirrende Ästhetik von Schmerz und Gewalt weiter, indem sie ihrer weiblichen Opferfigur ein ebenso randständiges Gegenüber gab. Deren gemeinsame Suche nach lebensechten Empfindungen mündete in sadomasochistische Exzesse - auf die wiederum ihr Umfeld mit Überwachen und Strafen antwortete. Der Schmerz als «schönste Form des Glücks»: Die Autorin hatte nach einem erbarmungslos einfachen und klaren Ausdruck für das Schmerzensmass ihrer Protagonistinnen gesucht. Sie fand ihn nicht nur im Wechsel von Innen- und Aussenperspektive, sondern auch in einem ganzen Motivarsenal, mit dem sie den Erzählgang geradezu obsessiv bearbeitete.

Sibylle Birrer (NZZ)

Angeklagt“, Roman, Nagel & Kimche, Zürich, 2002

Mariella Mehr beschliesst mit “Angeklagt” ihre Trilogie zum Thema Frauen und Gewalt, Gewalt, die Frauen angetan wird, aber auch weibliche Gewalt. In den beiden bisherigen Romanen hatte die Gewalt allerdings noch Ursprung und Ort im Sozialen. Im Roman “Das Kind” war es die Gewalt der Dorfgemeinschaft, in “Brandzauber” die in der Geschichte gespeicherte und weitergegebene Gewalt. Hier, in “Angeklagt”, ist es die sozusagen nackte, nicht abgeleitete Gewalt, der Trieb. Daher auch die Nähe zum Mythos, zur Antike, daher auch, sprachlich, ein Schritt vom realistischeren Erzählen zum lyrischen. “Das Töten braucht keine Rechtfertigung. Seine Wahrheit liegt in der Tat. Weshalb sie also mit Begründungen besudeln? Das Töten braucht nur sich als Sinn und Ziel.” – so hat es Kari von Malik erklärt bekommen.

“Angeklagt” ist ein extremer Roman für Leserinnen und Leser, die Grenzerfahrungen machen wollen mit ihren eigenen Aggressionen und Lüsten. Seine Aktualität ist offenkundig: Er ist auch das Psychogramm einer Terroristin.

Felix Schneider Radio DRS

Lyrik von Mariella Mehr

in diesen traum schlendert ein roter Findling“, Gedichte, Zytglogge, Gümligen, 1983

Nachrichten aus dem Exil“, Gedichte, 2-sprachig, Drava Verlag, Klagenfurt, 1998

Widerwelten“, Gedichte, 2-sprachig, Drava Verlag, Klagenfurt, 2001

Im Sternbild des Wolfes“, Gedichte, Drava Verlag, Klagenfurt, 2003

Elementarereignisse und grosse Kunst - die Gedichte der "Widerwelten" sind beides in einem.

Kurt Marti 2001

"Wislawa Szymborska und Mariella Mehr sind die bedeutendsten Lyrikerinnen der Gegenwart!" sagte Dr. Michaela Lehner vom ORF im Gespräch mit Dr. Helga Mracnikar:

Theater von Mariella Mehr

Kinder der Landstrasse“, Ein Hilfswerk, ein Theater und die Folgen, Zytglogge, Gümligen, 1987

Silvia Z.“, Ein Requiem, nicht veröffentlicht, uraufgeführt 1986 im Stadttheater Chur

Anni B.“, Eine Groteske, nicht veröffentlicht, unautorisierte Uraufführung 1989 in Zürich

"Ich gehe davon aus, dass der Missbrauch des Menschen am Menschen keinem anonymen Machtkonstrukt zuzuschreiben ist. Er ist einer Minderheit von Mächtigen mit Namen zuzuschreiben, die sich einer Mehrheit von Ohnmächtigen bedient und an ihr perverseste Machtgelüste befriedigt. Die Ausbeutung von Ohnmächtigen kann nur vor dem Hintergrund einer sich selbst als Herrenmenschenrasse definierende Gruppe verstanden werden. Sie beim Namen zu nennen heisst, den Ausgebeuteten ihre Menschenwürde und ihre Selbstachtung zurückzugeben." Mariella Mehr, 1988