Der "Fäberer" (Schreiber) Venanz Nobel, Basel (CH)

Der schweizerische Jenische Venaz Nobel (*1956) publiziert in deutscher Sprache Zeitungsartikel und Buchbeiträge über die Geschichte der Jenischen und jenisches Leben heute. In einer Vielzahl von eigenen Werken und Werken an denen er mitgewirkt hat machte er sich insbesondere um die wahrnehmung der Jenischen Volksgruppe in der breiten Mehrheitsgesellschaft sehr verdient.

 

Venanz Nobel: Jenische in der Schweiz - Vol.1:

 

Venanz Nobel: Jenische in der Schweiz - Vol.2:

 

In " Fäberer' s Buchladen - ein virtueller Laden zu sehr realen Themen " vertreibt er mit seinem Eigenverlag Werke wie z.B.:

"Wie dr Jänisch sich gspient" und "wie Gaschi di Jänische gspiened"

"Bitte recht freundlich...!" Über die Zigeuner, die Fotographie und meinen Zwiespalt ...

Sein Beitrag in Vielfalt 56 in der "Zeitschrift für bedrohte Völker"

machen ihn in nicht nur in jenischen Kreisen zu einer festen Institution. Durch seine Arbeit als Vizepräsident des transnationalen Vereins "schäft qwant" in der Schweiz auch weit über die schweizer Grenzen hinaus ....

Im April 1992 befasste sich Venanz Nobel mit den Fragen der Verantwortlichkeit ...

Venanz Nobel rekapitulierte dann, wie der Bund ein von den jenischen Organisationen befürwortetes Forschungsprojekt blockierte, mit anderen, genehmeren Wissenschaftlern liebäugelte und unterdessen schlicht argumentiert, selbst ein Minimum der versprochenen wissenschaftlichen Aufarbeitung sei dem schweizer Bund "finanziell nicht zumutbar."

So aktiv die Bundesstellen daran arbeiten, die Aufgaben der jenischen Organisationen an sesshaft dominierte Apparate zu übertragen, so passiv verhält sich der Bund in der Frage der wissenschaftlichen Aufarbeitung von Hintergründen und Verantwortlichkeiten beim Ausrottungsversuch an den Schweizer Jenischen durch die Stiftung Pro Juventute.

An der Pressekonferenz der Jenischen vom 9. April 1992 befasste sich Venanz Nobel mit den Fragen der Verantwortlichkeit gegenüber diesem dunklen Kapitel der Schweizer Geschichte, und zwar unter dem Motto: "Unsere Geschichte gehört uns!"

Er sagte:

"Ich bin ein an Geschichtsschreibung und Geschichtsforschung interessierter Jenischer. Mein Interesse hat verschiedene Gründe. (...) Wer seine Tanten und Onkel erst auf dem Friedhof kennenlernt, hat keine Wurzeln, Traditionen und mündlich tradierte Sippengeschichte. (...)

Ein Volk braucht, um überleben zu können, die Geschichten der Vorfahren, deren Umsetzung durch Zeitgenossen und Kinder, die uns zuhören und von uns lernen können. Was aber soll ich meinen Kindern erzählen? Wie kann ich zeitgemäss jenisch leben, wenn man mir meine Geschichte unterschlägt?

Ich höre Ihren Einwand schon: Ihr habt doch Akteneinsicht und sogar eine Aktenkommission. Sicher, mein Vater hat seine persönliche Akte, meine Tante die ihre. Wo aber sind die Akten meiner Grosseltern, wer stellt die Zusammenhänge her? Unsere persönlichen Akten sind wie Fichen: reine Inhaltsverzeichnisse eines grösseren Zusammenhangs. Auch bei der Ficheneinsicht versucht der Bundesrat, die Dossiereinsicht zu verhindern, Zusammenhänge zu verschleiern.

1986 war der Bund noch bereit, ein von Angeline Fankhauser und 52 mitunterzeichnenden NationalrätINNen eingereichtes Postulat entgegenzunehmen. Darin wir der Bundesrat 'beauftragt, die im 1983 verabschiedeten Bericht der Studienkommission 'Fahrendes Volk in der Schweiz' empfohlene Studie über die Folgen der Aktion 'Kinder der Landstrasse' unverzüglich in Auftrag zu geben.'

6 Jahre später", so musste Venanz Nobel konstatieren, " warten wir immer noch auf diesen unverzüglichen Auftrag."

Venanz Nobel rekapitulierte dann, wie der Bund ein von den jenischen Organisationen befürwortetes Forschungsprojekt blockierte, mit anderen, genehmeren Wissenschaftlern liebäugelte und unterdessen schlicht argumentiert, selbst ein Minimum der versprochenen wissenschaftlichen Aufarbeitung sei dem Bund "finanziell nicht zumutbar." Venanz Nobel meinte zu diesem faulen Argument:

"Im Bewusstsein, dass der moderne Bundesstaat samt seinen Vorgängerorganisationen wie der eidgenössischen Tagsatzungen seit Jahrhunderten keine Kosten scheuten, um unsere Lebensgrundlagen zu zerstören, unser Volk auseinanderzureissen und unsere eigene Geschichts-Nicht-Schreibung (d.h. die mündlichen Traditionen der Jenischen, T.H.) auszulöschen, lassen wir uns heute den Spatz nicht von kleinlichen Beamten aus der Hand schlagen. Wir bestehen auf einer umfassenden Verantwortlichkeitsstudie und einer gründlichen historischen Aufarbeitung mit jenischer Mitwirkung, die diesen Namen auch verdient."