Zigeuner - Sinti, Roma oder Jenische?
Viel mehr sollte man fragen:
Gibt es denn ethnisch gesehen das Volk der "Zigeuner" eigentlich!?

Machen Sie sich selbst ein Bild davon, ob es "Zigeuner" ethnisch gesehen wirklich gibt. Wir verstehen den Begriff "Zigeuner" als den Überbegriff VON und FÜR alle Fahrenden Völker, den auch unsere Leute nachweislich seit Urzeiten benutzten. Es gibt jedoch auch unter den JENISCHEN mindestens genausoviele die diese Bezeichnung als beleidigende Fremdbezeichnung ablehnen wie die jenigen die ihn auch selbst benutzen.

Einen riesen Unterschied macht natürlich auch wer diesen gebraucht, wenn sie von einem "Zigeuner" selbt genutzt wird, hat dies natürlich einen anderen Charakter als wenn ein Nicht-Zigeuner diese gebraucht. Es sollte jeder selbst entscheiden, wie er es für sich und seine Familie hält, anhand der freien Wikipidia-Enzyklopedie wollen wir versuchen ihnen dabei zu helfen sich selbst ebenfalls eine Meinung hierzu bilden zu können.

Mit dem Begriff Zigeuner werden etwa seit dem 15. Jahrhundert die Volksgruppen der Roma und Sinti bezeichnet. Später übertrug sich der Begriff allgemein auf ursprünglich nicht sesshafte Völker, so dass auch die Jenischen darunter fielen. Im deutschen Sprachraum war der Ausdruck „Zigeuner“ im 18. und 19. Jahrhundert ein polizeilicher Ordnungsbegriff.

Das 19. Jahrhundert entwickelte jedoch auch eine verklärende, ‚romantische‘ Sicht auf die „fahrenden Völker“ und ihre Kultur. Die Angehörigen ziganischer Völker wurden während der Zeit des Nationalsozialismus als Zigeuner beschimpft und im Holocaust systematisch vernichtet, nicht zuletzt deshalb gilt der Begriff heute vielen als diskriminierend. Im amtlichen Sprachgebrauch wird der Begriff daher durch die Hilfskonstruktion „Sinti und Roma“ umgangen; in der Umgangssprache wird er jedoch weiterhin - auch als Schimpfwort - benutzt.

Jenische - Ein "Stamm" der Roma!? NEIN!

Die Radgenossenschaft der Landstrasse ist der offizielle Dachverband der Jenischen in der Schweiz und ist Mitglied der International Romani Union. Dieser Beitritt wurde von einigen Organisationen von Sinti & Roma, bzw. deren Funktionären dazu benutzt um einen berechtigten Anspruch der Jenischen auf die Berücksichtigung Ihrer Opfer beim in Berlin geplanten Mahnmal für die als "Zigeuner" verfolgten Menschen des Dritten Reichs abzusprechen, weil diese dann mit der Bezeichnung "Sinti & Roma" ja bereits Berücksichtigt wären.

Zwar trat die RG der Int. Romani Union bei versteht aber die Jenischen nach eigener Aussage ebenso als eigenständiges Volk wie wir und keinesfalls als "Stamm der Roma" wie behauptet wurde.

Etymologie

Der Ursprung der Bezeichnung Zigeuner ist nicht endgültig geklärt. Sie beruht möglicherweise auf einer im Balkan erfolgten Verwechslung der Roma mit der Sekte der Athinganen oder stammt vom persischen Wort Ciganch (Musiker, Tänzer); am wahrscheinlichsten ist die Herleitung aus griechisch athiganoi, die „Unberührbaren" als Vertreter einer niederen sozialen Gruppe; auch das persische asinkan (Schmiede) wird gelegentlich genannt.

In neuester Zeit wurde in der Jahresschrift 'Studia Etymologica Cracoviensia'[1] die griechische Etymologie des Ethnonyms Zigeuner aus laut- und kulturhistorischen Gründen kritisiert und eine neue Etymologie vorgelegt. Das Wort soll danach, durch slawische Sprachen vermittelt, auf ein kiptschakisches Wort mit der Bedeutung „arm, mittellos“ zurückgehen.

Außerhalb der deutschen Sprache finden sich Entsprechungen derselben Herkunft in zahlreichen europäischen Sprachen so portugiesisch Cigano, französisch Tsigane (vornehmlich für die osteuropäischen „Zigeuner“), bulgarisch, polnisch Cygan, Rumänisch T,igan, Serbisch Ciganin, russisch, Skandinavien (zum Beispiel schwedisch) zigenare, ungarisch cigány, italienisch zingaro, griechisch tsingános und türkisch Çingene.

Volksetymologisch (also falsch) ist die Umdeutung des Wortes Zigeuner als „Zieh-Gäuner", also „Ziehende Gauner". Trotzdem dient dies noch manchmal als Argument gegen die Verwendung des Begriffs „Zigeuner“.

Bis ins 19. Jahrhundert wurde im Deutschen auch Fahrendes Volk allgemein als „Zigeuner“ bezeichnet. Im Volksmund wirkt diese Gleichsetzung beispielsweise im Wort herumzigeunern bis heute nach.

Weitere Fremdbezeichnungen

Eine weitere Fremdbezeichnung, die in einigen Sprachen Europas verwendet wird, wird aus dem Begriff für Ägypter - in älterem Spanisch agiptanos - hergeleitet. Aus ihr entstanden spanisch Gitano, französisch Gitane, englisch Gypsy, griechisch "gyftos" und albanisch magjup.

Ein Grund hierfür ist möglicherweise die frühere Behauptung einiger Zigeuner, aus Ägypten vertrieben worden zu sein. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wiesen sie Geleitbriefe Kaiser Sigismunds (aus Lindau und vom 17. April 1423) sowie von Papst Martin V. (1422) vor. Ein Anführer nannte sich Thomas, Graf von Kleinägypten. Ein angeblicher Herzog Andreas von Kleinägypten wies am 15. Dezember 1423 einen – allerdings gefälschten – Geleitbrief von Papst Martin V. vor. Die angebliche Herkunft der Zigeuner aus Ägypten wird auch in Achim von Arnims 1812 erschienener Novelle "Isabella von Ägypten" aufgegriffen. Auch die Zigeunerin Esmeralda aus Victor Hugos Roman „Notre Dame de Paris“ (Der Glöckner von Notre Dame) wird in einer Gerichtsverhandlung als „Ägypterin“ bezeichnet.

Sowohl in Norddeutschland, als auch in skandinavischen Sprachen und in dem früheren rumänischen Sprachraum findet sich auch die Bezeichnung Tatern oder Tattare (rum. "ta(rtari" oder "ta(ta(ras,i") , die eigentlich die Tataren meint. Auch der Begriff Heidenen oder Heider (also „Heiden“) wurde historisch für die Zigeuner verwendet.[2] In Theodor Storms Werk "Der Schimmelreiter" wurden die Zigeunerjungen, die von den einheimischen Nordfriesen geopfert werden sollten, als Slowaken bezeichnet.

Das Finnische verwendet den Begriff mustalainen (von finn. musta, „schwarz“).

Eine weitere Bezeichnung für die Zigeuner im Französischen und Spanischen ist bohèmiens bzw. bohemios („Böhmer“), dessen Bedeutung sich allerdings mit der Zeit auf das mittellose Künstlertum, die Bohème ausgeweitet hat.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma sieht „Zigeuner“ im deutschen Sprachgebrauch als Schimpfwort, während es die Sinti Allianz Deutschland als neutrale Bezeichnung aller ziganischen Völker sieht und auch als Selbstbezeichnung verwendet. Ein Argument des Zentralrats ist die Verwendung des Wortes „Zigeuner“ durch die Nationalsozialisten beim Porajmos genannten Völkermord an verschiedenen Zigeunergruppen.

Im deutschsprachigen Raum wird teilweise die Bezeichnung Zigeuner bevorzugt. Grund sei, dass dieser Begriff in allen Sprachen die Gesamtheit aller Stämme bezeichnet, während die in Deutschland als politisch korrekt in Medien und Politik verwendete Ersatzbezeichnung Sinti und Roma andere Zigeunergruppen wie etwa die Manouches, Kalé und die Jenischen nicht einschließe und damit wiederum selbst diskriminierend sei.[3]

Im französischen Sprachraum ist die Bezeichnung Gitanes (vornehmlich für südfranzösische und spanische Zigeuner) und im englischen Sprachraum Gypsies wesentlich weniger umstritten und belastet als die deutsche Entsprechung (siehe den Namen der französischen Zigarettenmarke „Gitanes“). In Rumänien ist die dem Ausdruck Zigeuner verwandte Bezeichnung T,igan als Selbstbezeichnung der Volksgruppe verbreitet, eine politische Partei nennt sich entsprechend "Partidul T,iganilor din Romania".

Roma, Sinti und Jenische sind die hauptsächlichen Bevölkerungsgruppen, die im deutschen Sprachraum, politisch umstritten, als Zigeuner bezeichnet wurden und teilweise auch noch werden. Diese Gruppen waren es auch, die vor allem während des Nationalsozialismus als "Zigeuner" bzw. "Zigeuner-Mischlinge" verfolgt wurden (siehe Zigeunerverfolgung) ....

Roma ist die internationale Selbstbezeichnung für die Gesamtheit aller Volksgruppen, die Romani sprechen, und das politisch korrekte Synonym für Zigeuner (dann einschließlich ethnisch verwandter Gruppen wie Sinti und Kalé und nur soziologisch verwandte Gruppen wie die Jenischen

In Deutschland gilt heute "Sinti und Roma" als offizielle Bezeichnung (siehe Zentralrat Deutscher Sinti und Roma).

Aber die JENISCHEN werden auf anderen Seiten dieser Internetpräsenz ja eingehend beschrieben und vorgestellt, so konzentrieren wir uns hier einfach mal auf die Vorstellung jener Volksgruppen die wie die JENISCHEN vom volksmund als sogenannte "Zigeuner" definiert werden.

 Die Sinti`s (Cinti)

Sinti oder Cinti sind eine im deutschen Sprachraum lebende, teils nomadische, teils sesshafte ethnische Gruppe, die traditionell unter dem heute umstrittenen Namen „Zigeuner" zusammengefasst wurden. Ihre Vorfahren sind vermutlich in der frühen Neuzeit aus Indien eingewandert. Sie pflegen ihr eigenes Brauchtum und ihre eigene Sprache und grenzen sich von den Roma, einem osteuropäischen Zweig ihrer Ethnie, ab.

Herkunft und Sprache

Es wird vermutet, dass sich der Name von der indischen Provinz Sindh oder von einer titleen Bezeichnung des Flusses Indus, „Sindhu", ableitet. Als Eigenbezeichnung der Sinti wird oft auch Rom und Romni (Mann, Frau) verwendet. Die in Frankreich lebende Gruppe der Sinti bezeichnet sich als Manusch (frz. manouches).

Wie die später in den deutschen Sprachraum eingewanderten Roma sprechen die Sinti traditionell Romanes, dessen Wurzeln auf einen nordwestlichen Dialekt einer titleindischen Volkssprache zurückgehen und wohl nicht, wie oft angenommen, auf Sanskrit, welches eine Hochsprache der Brahmanen war.

Die Sinti sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen, die ethnisch anderer Herkunft sind, allerdings vor allem in der Vergangenheit als „fahrendes Volk“ eine ähnliche soziologische Nische besetzten.

Der Name Zigeuner wird vor allem seit der Nachkriegszeit überwiegend als Schmäh- und Schimpfwort empfunden, findet sich aber vor allem in älteren Quellen auch neutral verwendet, als die Selbstbezeichnung Sinti noch nicht gängig war.

Die ersten Zeugnisse einer Präsenz dieser indischen Gruppe der Sinti im deutschen Sprachraum datieren auf das 15. Jahrhundert. Es handelte sich damals um Flüchtlinge aus der Sklaverei in Südosteuropa, die in viele Länder Europas zogen, als indirekte Folge der osmanischen Invasion auf dem Balkan. Waren sie zuvor wohl als Sklaven ortsgebunden, nahmen sie jetzt (vermutlich erneut) eine nomadische Lebensweise an.

Geschichte der Sinti in den deutschen Regionen

Die Sinte, Roma und verwandte Gruppen stammen ursprünglich aus dem indischen Raum und sind im 14./15. Jahrhundert über Nordafrika und den Balkan nach Europa und in den deutschen Sprachraum eingewandert.

Waren sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts vielerorts zumindest geduldet, wurden die Lebensbedingungen für sie durch Reichstage in Lindau (1496) und Freiburg (1498) schwieriger. Auf dem Augsburger Reichstag von 1551 und in verschiedenen darauf folgenden Gesetzen und Landesordnungen wurde wahlweise die Tötung oder Beraubung von Sinte (als „zciegener“ oder Zigeuner bezeichnet) legitimiert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde vielerorts versucht Sinti und Roma sesshaft zu machen. In dieser Zeit wurden auch Kinder ihren „zigeunerischen“ Eltern weggenommen und die Assimilation erzwungen.

Eine zweite indische Gruppe, Roma, kam im 19. Jahrhundert, als in Rumänien die Sklaverei aufgehoben wurde. 1939 lebten etwa 13.000 Sinti im Deutschen Reich; in der Bundesrepublik Deutschland in den 1990er Jahren waren es etwa 50.000.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Sinti und Roma aus Gründen der Rasse verfolgt. 1935 wurde im Rahmen der Nürnberger Gesetze nicht nur den den Juden, sondern auch den Sinti und Roma das Wahlrecht aberkannt und Mischehen mit anderen „Ariern“ verboten. Sinti wurden zum Objekt der Rassenbiologie der Nazis und wurden von NS-Wissenschaftlern mit abenteuerlichen Argumenten als erblich bedingt arbeitsscheu oder „asozial“ dargestellt. Ab 1938 waren vermutlich 85% der Sinti-Bevölkerung in Konzentrations- oder Arbeitslagern interniert, wovon nur ein geringer Teil überlebt hat.

Kultur der Sinti

Die Sinti haben, trotz des immensen Anpassungsdruck seit Jahrhunderten eine beträchtliche kulturelle Eigenständigkeit bewahrt, darunter oft noch die eigene Sprache, das Romanes. Darüber hinaus gibt es viele Bräuche und Rechtsnormen, die teilweise wohl auf ihre nordindische Heimat zurückgehen.

Traditionell wird das Leben der Sinti durch ein strenges Gesetz geregelt, an das sich jeder htitleen muss, der nicht aus der Gemeinschaft ausgeschlossen werden will. Hierüber wachen Rechtsprecher, d.h. anerkannte Älteste der jeweiligen Sippe (Familienverband). Sinti sind sehr familiengebunden, das Wort der Älteren gilt viel. Besondere Reinlichkeitsnormen der Sinti haben möglicherweise ihre Wurzeln in religiös-rituellen hinduistischen Waschungen der nordindischen Urheimat.

Aus dem Kulturkreis der Sinti sind seit den 1970er Jahren eine Anzahl Bands und Musiker bekannt geworden, die an Django Reinhardt und die ungarische Volksmusik, an Swing, Bossa Nova, Musettewalzer u.a. anknüpfen. Hervorgetreten sind u.a. Schnuckenack Reinhardt und Bireli Lagrene.

Die Roma (Volk)

Roma (Romani: rom, "Rom", "Ehemann") ist der Oberbegriff für eine Reihe ethnisch miteinander verwandter, ursprünglich aus Indien stammender Bevölkerungsgruppen, die ab dem 14. Jahrhundert in verschiedenen Einwanderungswellen nach Europa gelangten und in vielen europäischen Ländern eine ethnische Minderheit stellen. Die gemeinsame, in Dialekte aufgesptitleene Sprache ist das Romanes/Romani.

Unterschiede zwischen Sinti, Roma und anderen [Bearbeiten]Zu den Unterschieden zwischen Sinti und Roma gibt es folgende Erklärungen:Der Doppel-Begriff Sinti und Roma (Pluralbegriff, der Singular ist entweder männl. Sinto oder Rom bzw. weibl. Sintitsa oder Romni), lässt vermuten, dass es sich um zwei verschiedene Volksgruppen handelt. Tatsächlich sind die Sinti jedoch eine Teilgruppe der unter der weltweit üblichen Selbstbezeichnung „Roma“ lebenden Volksgruppen. Andere Teilgruppen der Roma nennen sich zum Beispiel Kalé oder Kalderasch. Beide Gruppen sind zwar verwandt, unterscheiden sich aber in vielen kulturellen und sprachlichen Details. Die Vorfahren der Sinti sind bereits im späten Mitteltitleer nach Westeuropa eingewandert. In einer zweiten Migrationswelle im 19. Jahrhundert gelangte ein weiterer Teil der Roma vorwiegend aus Ungarn nach Österreich und Deutschland. Aufgrund dessen wird gerade im Deutschen die Bezeichnung Roma auch nur für diese zweite Gruppe, sowie für die noch heute im osteuropäischen Raum beheimateten Roma verwendet.

Als Sammelbezeichnung für alle im deutschsprachigen Raum lebenden Angehörigen des Volkes, unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Einwanderung, wird seit Anfang der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts versucht, den Begriff Sinti und Roma zu etablieren, um die Bezeichnung Zigeuner zu ersetzen. Zur Problematik der Bezeichnungen siehe Zigeuner und Roma, Sinti und Jenische.

Die Roma sind nicht zu verwechseln mit den Jenischen sowie den Tinkern in Irland und Großbritannien, die ethnisch anderer Herkunft sind. Der Begriff Fahrendes Volk ist ebenso kein Synonym.

Die hauptsächlich in Südosteuropa beheimateten Roma sind ihrerseits aufgesptitleen in eine größere Zahl von Gruppen mit leicht unterschiedlichen Traditionen und vielfach einer traditionellen beruflichen Spezialisierung. Eine dieser Gruppen sind die Kalderasch.

In Teilen Norddeutschlands und skandinavischen Sprachen findet sich auch die Bezeichnung "Tatern" oder "Tattare", der eigentlich die Bedeutung "Tatar" hat. Möglicherweise hat hierzu die Vorstellung beigetragen, die Roma seien als Begleiter des tatarischen Vordringens z.B. unter Batu nach Europa gelangt oder von den kleinasiatischen Türken nach Europa geschickt worden.

Population  Roma-Frau in Andrychów, (Polen) Roma-Camp in Serbien (2003)

Die Weltpopulation der Roma mit den zugehörigen Untergruppen beträgt heute etwa zwölf Millionen, davon acht Millionen in Europa. Die größten Gemeinschaften befinden sich in den südosteuropäischen Ländern. Für Spanien schätzt man zwischen 400.000 und 700.000 Angehörige, etwa 300.000 für Frankreich und etwa 90.000 für Großbritannien. In Deutschland leben Schätzungen zufolge 60.000 bis 70.000 Sinti und um die 40.000 Angehörige anderer Roma-Gruppen.

Für den osteuropäischen Raum wird von bis zu 2,5 Millionen Roma ausgegangen. In Ungarn leben laut Volkszählung 2001 205.720 Roma, in der Tschechischen Republik und der Slowakei 300.000, in Bulgarien laut Volkszählung 2001 370.908 und in Rumänien laut Volkszählung 2002: 535.140. In der Türkei schätzt die Europäische Kommission 2005 die Anzahl der Roma zwischen 500.000 und 2 Millionen. Auch die Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien, insbesondere Serbien (108.193 - ohne Kosovo), Montenegro (20.000), Kroatien (18.000) und Mazedonien (51.901), sind Heimat starker derartiger Minderheiten; weitere Roma leben in Albanien (120.000), Polen (30.000), Griechenland (150,000-300,000 laut dem Helsinkikomitee) und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion (besonders in Weissrussland und Ukraine).

Offizielle Angaben über Roma-Populationen sind meist ungenau und eher zu niedrig, denn Volkszählungen fragen nach der ethnischen Selbstdefinition, und diese kann schwanken, besonders dort, wo mit der Selbstdefinition als Rom/ Romni oder Sinto/ Sintizza Diskriminierung und Ausgrenzung verbunden ist.

Herkunft

Allen Roma ist die indische Herkunft gemeinsam, die sich neben historischen Überlieferungen auch durch die Gemeinsamkeiten ihrer Sprache mit zentralindischen Dialekten beweist. Eine direkte Bezugnahme auf die indische Herkunft gibt es erst seit Ende des 18. Jahrhunderts, als Romani ins Sichtfeld von Sprachwissenschaftlern gelangte.

Die Roma kamen vermutlich um 1000 aus dem Nordwesten Indiens, wohin sie in den Jahrhunderten zuvor aus Zentralindien gezogen waren, über den Nahen Osten, Kleinasien, das byzantinische Griechenland und den Balkan nach Mittel-, Ost-, West- und Nordeuropa.

Neuere archäologische Funde lassen jedoch vermuten, dass einige wenige Roma bereits im 12. Jahrhundert bis nach England kamen.

Andere, gelegentlich und irrtümlich den Roma zugerechnete Gruppen, wie die Jenischen sind europäischer Abstammung.

Sprache

Die Sprache (Romani) ist die einzige ausschließlich außerhalb des Kontinents gesprochene indische Sprache. Sie hat ihre Wurzeln in den zentralindischen Sprachen. Nach Grundwortschatz und grammatikalischem System ist die Sprache der Roma (auch: romani chib) eine neuindoarische (also indogermanische) Sprache. Zur Sprache gehört auch ein umfangreicher nichtindischer Wortschatz. Das mitteltitleerliche Griechisch, dessen Worte sich wenig verändert haben, hat das Romani bereichert. Etwa drom (Straße), foro (Stadt), okto (acht) und andere Lehnworte mehr, die sich bis heute erhtitleen haben. Armenischen Ursprungs sind Worte wie grast (Pferd) oder bov (Ofen), es gibt Iranische und Ossetische Einflüsse.

Die methodische Erfassung der Lehnworte wurde in der Vergangenheit benutzt, um die Migrationsbewegungen der Roma zu rekonstruieren. Allerdings ist eine derartige Rekonstruktion nur bedingt möglich. Immerhin hat die Linguistik inzwischen zu einer brauchbaren Einteilung der verschiedenen Dialekte des Romani gefunden.

Alle Romani sprechenden Roma (das sind in Europa ungefähr 75%) sind zumindest zweisprachig, sprechen also auch die Sprache des Landes, in dem sie sich aufhtitleen oder früher aufgehtitleen haben. Viele Roma sind drei- und mehrsprachig. Der von den Sinti gesprochene Dialekt des Romani ist Sintitikes.

Einige Selbstbezeichnungen von Romagruppen

Sepec(ides = Korbflechter (türk.) sepet für Korb, sepetçi für Korbflechter
Kalderasch = Kupferschmiede (rumän.) caldare für Kessel
C(urara = Siebmacher (rumän.) ciur für Sieb
Lovara = Pferdehändler (ungar.) ló "Pferd" + Plural des Nomina-agentis-Suffixes /-ari/
Kalderara/Kalderaš/Kerderara = Kesselmacher und -flicker (rumän.) caldare für Kessel

Sesshaftigkeit

In Europa (Osteuropa und Spanien) leben die meisten Roma sesshaft. Ein kleinerer Teil lebt nomadisch, und das, vor allem in Westeuropa (hauptsächlich in Frankreich und England), vorwiegend halb-nomadisch (feste Wohnsitze und, oft jahreszeitlich bedingt, Umherziehen). In verschiedenen Ländern sieht die Situation allerdings unterschiedlich aus.

Religion

Roma sind oft stark religiös. Sie nehmen normalerweise die Religion des Landstriches an, in dem sie sich ansiedeln oder wo sie bereits seit Generationen wohnen.

Del (auch Devla) bedeutet in der Sprache der Roma Gott. Die meisten Lowara-Roma sind katholisch, da sie hauptsächlich in katholisch geprägten Ländern wie Österreich und Ungarn leben. Die Sinti in Deutschland sind protestantisch und katholisch. Außerdem gibt es auch orthodoxe Kalderasch und Gurbet (Mazedonien und Serbien), sowie die muslimischen Arlije (Mazedonien und Türkei). In Bulgarien beispielsweise sind fast 30 - 40% der Roma Muslime, die meisten dieser muslimischen Roma bevorzugen die Sprache ihrer türkischen Glaubensbrüder und sind ein wichtiger Faktor des Islam in Bulgarien. Die Roma im Kosovo und in Albanien sind sogar zu 80 - 90% Muslime, in Griechenland zu 10-20%, in Rumänien wiederum kaum zu 1%.

Die Unterscheidung zwischen rein (žužo/schuscho) und unrein (mahrime) ist von herausragender Bedeutung, von ebenso großer Bedeutung wie die (und eng verknüpft mit der) Unterscheidung zwischen Leben und Tod.

Kastensystem

Die Gesellschaft der Roma ist in vier Kasten gegliedert. Eine Kaste besitzt mehrere Merkmale:Sie ist eine geschlossene soziale Gruppe, die auf Erblichkeit basiert. Sie ist eine unabhängige Organisation mit eigenem Oberhaupt und Rat. Sie hat bestimmte festgelegte Bräuche und Feste (v.a. bezüglich Nahrung und Heirat). Ihre Mitglieder üben meistens denselben Beruf aus. Jedes Mitglied kann von den anderen Mitgliedern bei triftigen Gründen bestraft werden, was bis zur Ausstoßung aus der Kaste führen kann.

Gesellschaftliches Leben, Sitten und Gebräuche

In dem Kris, einer Art Gericht, klären Roma auch heute noch Streitigkeiten innerhalb einer Gruppe. Die „Richter“ werden dafür von Fall zu Fall von den Kontrahenten einvernehmlich bestimmt. In der Regel sind das drei bis fünf Personen, die sich in der Vergangenheit durch kluge Urteile einen Namen gemacht haben. Auch Ehen werden durch das Kris bestätigt. Der Älteste unterscheidet sich von den anderen durch seine äußeren Merkmale und Symbole. Er darf einen Bart tragen, hat einen besonders geschmückten Anzug und ein silbernes Zepter. Er wird Rom Baro oder Seierrom (sprich "Scheherom") genannt. Bei einer Roma-Gruppe in Rumänien ist das Symbol des Vorsitzenden ein silberner Becher, Rupuno tahtaj.