Von Ritter, Justin, Mengele und ihren NS-Schergen:

Hitler, Himmler und Goebbels waren jedoch nicht alleine bei der Verwirklichung des perfiden NS-Idealismus welcher Millionen Menschen in den Tod trieb! Hier wollen wir auf die vielen "kleinen Hitler" eingehen, um zu zeigen das die NSDAP eben nicht nur aus den Parteigrößen bestanden hat, welchen man hinterher alle Schuld zuschieben wollte ..

 

   
Werdegang

Josef Mengele war der älteste von drei Söhnen von Karl und Walburga Mengele (geb. Hupfauer), denen der Industriebetrieb Mengele Agrartechnik in Günzburg gehörte. Er studierte Anthropologie und Medizin mit Schwerpunkt Genetik in München, Bonn und Wien. Sein Schulfreund J. Diensbach äußerte sich nach 1945 über Mengele mit den Worten: „Er wollte nicht einfach nur erfolgreich sein, sondern sich auch von der Masse abheben. Es war seine Leidenschaft, berühmt zu sein. Er erzählte mir einmal, daß ich eines Tages seinen Namen im Lexikon lesen würde.“[1]

1931 trat Mengele dem Jung-Stahlhelm bei, der 1934 geschlossen in die SA überführt wurde. Mengele verließ die SA wenig später unter Hinweis auf seinen Gesundheitszustand. 1937 trat er der NSDAP, 1938 der SS bei. 1939 heiratet er Irene Schönbein. 1940 meldete er sich, nachdem er am 15. Juni 1940 seine Einberufung zur Wehrmacht erhalten hatte, freiwillig zur Waffen-SS und wurde dort noch im selben Jahr zum Hauptsturmführer ernannt. Es folgte eine Tätigkeit an der sogenannten Einwandererzentralstelle in Posen. Mengele wurde 1941 Sanitätsoffizier der SS-Panzer-Division „Wiking“ (SS.Pion.Bat. V), mit der er am Krieg gegen die Sowjetunion teilnahm.

Nachdem er sein medizinisches Staatsexamen und sein Medizinalpraktikum absolviert hatte, war er am von Prof. Otmar Freiherr von Verschuer geleiteten Institut für Erbbiologie und Rassenhygiene an der Universität Frankfurt tätig, das in die rassenhygienische Praxis des „Dritten Reiches“ integriert war und z. B. Gutachten für Zwangssterilisationen schrieb. 1935 promovierte er bei dem Anthropologen Theodor Mollison; der Titel dieser 1937 erschienenen Dissertationsschrift lautete „Rassenmorphologische Untersuchung des vorderen Unterkieferabschnitts bei vier rassischen Gruppen“. Seine 1938 veröffentlichte medizinische Doktorarbeit trug die Überschrift „Sippenuntersuchungen bei Lippen-Kiefer-Gaumenspalte. Die dritte Publikation, mit der Mengele in Erscheinung trat, hieß „Zur Vererbung der Ohrfisteln“. Mit diesen Arbeiten zeichnete sich ab, in welche Richtung er seine Forschungsarbeiten verstanden sehen wollte: Mengele war überzeugter Anhänger der Rassenlehre und der Rassenhygiene der Machthaber während der Zeit des Nationalsozialismus

Lagerarzt im KZ Auschwitz:

Nach einer Verwundung an der Ostfront kehrte Mengele 1943 nach Berlin zurück. Als einer der Ärzte des KZ Auschwitz-Birkenau erkrankte, wurde dieser am 30. Mai 1943 durch Josef Mengele ersetzt. Er war Arbeitskollege von Hans Münch. In Auschwitz-Birkenau experimentierte Mengele vor allem mit Zwillingen und Kleinwüchsigen, die für ihn den exemplarischen Ausdruck des „Abnormen“ darstellten. Daneben waren für ihn auch Zigeunerkinder von großem Interesse; er wollte durch Vergleiche zwischen ihnen und den anderen inhaftierten Kindern die Behauptungen der Rassenlehre bestätigt sehen.

Mengele nahm, wie alle anderen KZ-Ärzte, Selektionen unter den Neuankömmlingen an der „Rampe“ wie auch im Lager für die Gaskammern vor, wobei er die Ermordung von ca. 40.000 Menschen anordnete. Die Durchführung von anspruchsvollen Operationen überließ er vorzugsweise Assistenzärzten. Er selbst konzentrierte sich auf seine Menschenexperimente sowie die im Anschluss daran vorgenommenen Leichensektionen. Er tötete Personen mit Phenolinjektionen, wenn er ein Ergebnis durch Obduktion feststellen wollte. Ziel seines Handelns und Mordens war eine Habilitation, zu der es aber nie kam.

Flucht nach Südamerika

Kurz vor Ankunft der Roten Armee floh Josef Mengele am 17. Januar 1945 aus Auschwitz in das KZ Groß-Rosen und konnte dort seine mörderischen Machenschaften noch für kurze Zeit fortsetzen. Dann floh er erneut und fand am 6. Februar 1945 bei einer Wehrmachtseinheit Unterschlupf. Diese Einheit wurde von den Amerikanern in Schauenstein interniert. Da Mengele nicht über eine Blutgruppentätowierung verfügte wie andere SS-Mitglieder, blieb er jedoch unerkannt und wurde nach drei Monaten unter seinem richtigen Namen entlassen. Zu diesem Zeitpunkt wussten die Amerikaner noch nichts von der Identität des „Todesengels von Auschwitz“. Nachdem er sich in seine Heimatstadt Günzburg durchgeschlagen hatte, verbarg er sich ab Herbst 1945 unter dem Namen „Fritz Hollmann“ auf einem abgelegenen Bauernhof im oberbayrischen Mangolding bei Rosenheim.

Im April 1949 floh Mengele dann auf der sogenannten Rattenlinie unter dem Namen „Helmuth Gregor“ nach Genua, wo er sich am 20. Juni 1949 auf dem Dampfer North King nach Buenos Aires einschiffte. Dort lebte er bis Ende der 1950er Jahre mit Hilfe anderer geflohener Kriegsverbrecher und gefälschter Ausreisepapiere des Roten Kreuzes. In dieser Zeit praktizierte er auch zeitweise als Arzt.[2] Unter falscher Identität reiste er noch mindestens einmal nach Deutschland ein. Danach beantragte er beim deutschen Konsulat von Buenos Aires eine Identitätsfeststellung und einen neuen deutschen Pass auf seinen tatsächlichen Namen. Beides erhielt er ohne Probleme. Nachdem dann die Suche nach ihm begonnen hatte, floh er zunächst nach Paraguay. Nach der Entführung Adolf Eichmanns versteckte er sich in São Paulo, wo er zuletzt in einfachen Verhältnissen lebte. Doch die Fahndung konzentrierte sich auf Paraguay, wo er jahrelang unter seinem richtigen Namen gelebt hatte. Nach Uki Goñi sorgten die NS-Fluchthelfer Willem Sassen und Hans-Ulrich Rudel mit dessen Hilfseinrichtung "Kameradenwerk" für NS-Kriegsverbrecher in Südamerika für den Schutz der Identität von Mengele und seiner Sicherheit vor der Entdeckung und Verurteilung.[3] Der ehemalige Mitarbeiter des Mossad Rafi Eitan berichtete im September 2008,[4] dass seine Gruppe ihn 1960 aufgespürt habe. Um den Zugriff auf Adolf Eichmann nicht zu gefährden, sei Mengele nicht weiter verfolgt worden.

Am 7. Februar 1979 erlitt Mengele beim Schwimmen im Meer einen Schlaganfall und starb. Er wurde unter dem falschem Namen Wolfgang Gerhard in Embu, südlich von São Paulo, beerdigt.[5] Dies war aber noch einige Zeit danach in Deutschland unbekannt. So meldeten Presseagenturen noch im Dezember 1980 unter Berufung auf Verwandte Mengeles, er wolle sich nun der deutschen Justiz stellen.

Bis 1985 erhöhte sich die von der hessischen Landesregierung auf seinen Kopf ausgesetzte Belohnung auf eine Million Mark,[6] andere Organisationen setzten weitere sechs Millionen Mark aus.[7]

1985 wurde sein Grab von deutschen, amerikanischen und israelischen Ermittlern entdeckt. Die Leiche Mengeles wurde am 6. Juni 1985 exhumiert. Binnen weniger Wochen, am 21. Juni 1985, konnte von 18 internationalen Gerichtsmedizinern die Identität der Leiche nahezu zweifelsfrei bestätigt werden. Spätestens seit einem DNA-Test im Jahr 1992 gilt der Tod Josef Mengeles als zweifelsfrei erwiesen

Mengele und die Massenmörder in den NS-Konzentrationslagern:
   

Massenmörder unter sich: (Von links) Richard Baer, Kommandant von Auschwitz ab Mai 1944, Dr. Josef Mengele, gefürchtet für seine Menschenversuche, der Kommandant des Lagers Birkenau Josef Kramer (verdeckt) und Rudolf Höß, der vor Baer Kommandant von Auschwitz war.

Liste der NS-Kriegsverbrecher

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem hat in Jerusalem eine neue Liste der zehn meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher veröffentlicht:

1) Aribert Heim - Arbeitete als Arzt in den Konzentrationslagern Sachsenhausen (1940), Buchenwald (1941) und Mauthausen (1941). Ihm wird vorgeworfen, in Mauthausen hunderte Häftlinge mit tödlichen Injektionen unter anderem direkt ins Herz umgebracht zu haben. Tauchte 1962 vor Vollstreckung eines Haftbefehls unter. Wird in Südamerika vermutet.

2) Ivan (John) Demjanjuk (USA) - Der aus der Ukraine stammende Mann wurde 1988 in Jerusalem wegen Teilnahme an Massenmorden an Juden in verschiedenen Vernichtungslagern zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde jedoch 1993 vom Obersten Gericht aufgehoben wegen Zweifeln daran, ob er wirklich der berüchtigte KZ-Wächter "Iwan der Schreckliche" in Treblinka war. Dass Demjanjuk jedoch KZ-Wächter war, gilt als gesichert. Die USA haben ihm die Staatsbürgerschaft entzogen und wollen ihn des Landes verweisen.

3) Sandor Kepiro (Ungarn) - Der ungarische Polizeioffizier wird verdächtigt, am Massenmord an mehr als 1200 Zivilisten im serbischen Novi Sad teilgenommen zu haben.

4) Milivoj Asner (Österreich) - Kroatischer Polizeichef, der aktiv an der Verfolgung und Deportation hunderter Serben, Juden und Sinti und Roma beteiligt gewesen sein soll. Österreich verweigerte die von Kroatien geforderte Auslieferung des Mannes.

5) Soeren Kam (Deutschland) - Ehemaliges SS-Mitglied, wird beschuldigt, für den Tod eines dänischen Journalisten verantwortlich zu sein. Kam soll das Einwohnerverzeichnis der jüdischen Gemeinde in Dänemark gestohlen und damit die Deportation von dänischen Juden in deutsche Konzentrationslager ermöglich haben. Wurde in Dänemark angeklagt, ein Gericht in Bayern lehnte jedoch eine Auslieferung ab. Die dänischen Behörden wollen den Fall neu aufrollen und Kams Rolle bei der Deportation dänischer Juden untersuchen.

6) Heinrich Boere (Deutschland) - Mitglied des SS-Kommandos "Silbertanne". Er hat drei niederländische Zivilisten ermordet. Wurde 1949 in den Niederländen in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Vor zwei Wochen wurde in Dortmund Anklage wegen Mordes in drei Fällen gegen ihn erhoben.

7) Karoly (Charles) Zentai (Australien) - Nahm 1944 an der Verfolgung und dem Mord von Juden in Budapest teil. Ungarn hat von Australien seine Auslieferung verlangt.

8) Mikhail Gorshkow (Estland) - Nahm laut Wiesenthal-Zentrum am Mord an Juden in Weißrussland teil. Die USA entzogen ihm die Staatsbürgerschaft, in Estland laufen Ermittlungen gegen ihn.

9) Algimantas Dailide (Deutschland) - Nahm Juden fest, die später von Nationalsozialisten und litauischen Kollaborateuren ermordet wurden. Von den USA ausgeliefert und in Litauen verurteilt, musste die Haftstrafe jedoch nicht antreten.

10) Harry Mannil (Venezuela) - Nahm Juden fest, die danach von Nationalsozialisten und estnischen Kollaborateuren ermordet wurden. Die Staatsanwaltschaft in Estland stellte Ermittlungen gegen ihn wegen Mangels an Beweisen ein. Einreiseverbot in den USA.

Dr. Dr. Robert Ritter ...

Zur Zentralfigur rassistischer Zigeunerforschung stieg Robert Ritter, ein Psychiater aus Thübingen auf. Ritter verstand es als Sonderaufgabe ‘die Zigeunerfrage und das Zigeunerbastardproblem restlos u.entgültig zu bereinigen’. Er wurde zum Leiter der Erbwissenschaftlichen Forschungsstelle Berlin Dalhem und der Kriminalbiologischen Institute beim Reichsicherheitshauptamt im Reichsgesundheitsamt berufen, die unter Mitarbeit von Anthropologen und sogenannten kriminalgeneagologischen Assistenten wie Eva Justin (Loli Tschei) ab November 1936 ihre Arbeit aufnahmen.

Ziel dieser Arbeit waren erbbiologische Gutachten an sogenannten ZIGEUNERN! Die Nürnberger Rassengesetze von 1935 zum Schutze Deutschen und Artverwandten Blutes, schufen die Grundlage einer nationalsozialistischen Verfolgungs u. Rassenpolitik die sich nicht nur gegen Juden sondern explizit gegen Sinti & Roma und von Beginn an gegen die JENISCHEN richteten. Eine der ersten Maßnamen zur Umsetzung dieser Rassenideologie, war der Erlass des Gesetzes zur Verhütung unwerten Lebens und erbkranken Nachwuchses vom 17.7.1933. Waren Sinti, Roma, Jenische zunächst nicht ausdrücklich erwähnt, so strebten Rassenforscher wie Robert Ritter-Spohie Erhard-Adolf Würth und Eva Justin eine Zwangssterilisation von Zigeunern auf Grundlage dieses Gesetzes an. Dabei genügte der Nachweis einer "zigeunerischen" Abstammung, was nach Ansicht dieser Wissenschaftler an sich schon der Beweis ihrer Minderwertigkeit war. Seit 1934 forschte Dr.Ritter versehen mit einem Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über Vagabunden-Gauner und Räuber. Ritter geb.1901 Dr. Phil. und Med. hatte vermeintlich bewiesen, dass kriminelles u. asoziales Verhalten über Generationen hinweg vererbt würde. Der Zusammenhang zu ‘Zigeunern’ ergab sich dadurch, dass Ritter behauptete ‘Es gäbe keine reinrassigen Zigeuner, sondern nur Zigeunermischlinge’ (Meist JENISCHE!). Gerade sie wurden von ihm als Sinnbild für Asozialität stigmatisiert

Die in Hetzkampagnen der NS Presse verbreiteten Verleumdungen, wurden von Wissenschaftlern wie Ritter - Würth Justin u.a. zu rassenbiologischen Erkentnissen hochgestapelt. Unter Androhung von KZ Haft oder Sterilisation gelang es Ritter u. seinen Mitarbeitern, ein vollständiges Sippenarchiv aller in Deutschland lebenden "Zigeuner" anzulegen. Im Zusamenhang damit, hatte Heinrich Himmler als Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei am 16.Mai 1938 die Überleitung der Zigeunerpolizeistelle beim Polizeipräsidium/München zum Reichskriminalpolizeiamt Berlin angeordnet. Um nun auch die letzten "Zigeuner oder Zigeunermischlinge" zu erfassen, die bisher noch Ritters Diensstellen entgangen waren, erging vom Reichssicherheitshauptamt am 17.Oktober 1939 die Anordnung das nach "zigeunerart reisende Personen" ihren Aufenthaltsort oder Wohnsitz nicht mehr verlassen durften. Sie wurden erfaßt gezählt u. aufgelistet. Die Überprüfung dieser Namenslisten erfolgte durch das Reichskriminalpolizeiam, im Einvernehmen mit dem Reichsgesundheitsamt, die hier Hand in Hand zusammenarbeiteten. Im Grunde betrieb die Erbwissenschaftliche Forschungsstelle Berlin/Dalhem unter ihrem Leiter R. Ritter nichts anderes, als eine systematische Ausgrenzung und Erfassung aller "Zigeunerfamilien" u. entsprechenden Einzepersonen - auf deren Grundlage die Nazis hunderttausende  ZIGEUNER bestialisch ermordeten.Über 30 000 Rassegutachten unterzeichnet von Ritter -Justin -Würth -Erhardt u.a. waren Todesurteile,die den Ausschlag für eine Deportation der Betreffenden in die KZs oder eine Sterilisation gaben. Auch sogenannte 1/8 Zigeunermischlinge das heißt, wenn sich nach Ansicht der Rassenforscher unter den 8 Großeltern nur ein einziger Zigeuner befand, wurden in das Vernichtungsprogramm der Nazis einbezogen

Im Unterschied dazu ließ man 1/4 Juden beinahe unbeachtet. Als die Überlebenden ZIGEUNER nach dem Krieg aus den KZs in ihre ehemaligen Wohnorte zurückkehrten, fanden sie in vielen Fällen ihr Hab und Gut nicht mehr vor. Nur mühsam konnte sich dieser Personenkreis eine neue Existenz aufbauen. Eine Wiedergutmachung, die für viele sogenannte "Zigeuner" eine große Hilfe gewesen wäre, stand leider allzuoft nicht zur Verfügung. Von Anfang an wurden diese Menschen bei ihren Entschädigungsanträgen übergangen - benachteiligt - behindert oder aus formaljuristischen Gründen(Terminversäumnis) abgelehnt. So der Innenminister von Baden Würthemberg noch im Jahre 1950. Am 7.1.1956 urteilte der Bundesgerichtshof exakt in diesem Sinne. Allenfalls für die Zeit nach den Deportationen 1943,könne von einer rassischen Verfolgung ausgegangen werden. Alle Maßnamen bis dahin, galten als polizeiliche Vorbeugungs und Sicherungsmaßnamen. Das sich auch 60 Jahre nach dem Holocaust, immer noch "Wissenschaftler" mit beinahe der gleichen Terminologie wie Robert Ritter und seine Mitarbeiter äußern, beweist untenstehender Link von Dr.Volkmar Weiss..

Eva Justin (Lolitschai) ...

 Werdegang

bis 1933 mitlere Reife - Krankenpflege -Abitur. Ab 1934 assistiert Eva Justin Robert Ritter, bei dessen Forschungen/Zwangsuntersuchungen an ‘Zigeunern u. Zigeunermischlingen’. Sie erstellen zusammen mit Anthropologen u. sogenannten kriminalgenealogischen Assistentinen, über 30 000 ‘Rassegutachten’ an ZIGEUNERN. Es ist festzuhalten,das entsprechende Aktionen/Deportationen der Nationalsozialisten gegen ‘Zigeuner’ nur auf Grund dieser Vorarbeit Robert Ritters Eva Justins u.ihrer Mitarbeiter möglich wurden. Sie gaben den Nationalsozialisten erst das Werkzeug in die Hand, um hunderttausende Sinti u. Roma zu ermorden. Ab 1941 arbeitet Eva Justin als kriminalbiologische Assistentin in den in Mädchen und Jungen KZs. Ihre Berichte und Gutachten entscheiden, über die Schicksale der Mädchen und Jungen - Sterilisierung/Deportation/Euthanasie oder Kanonenfutter. (Bild unten- Dr.Sophie Erhardt Mitglied in Ritters Team, fertigt die Wachsmaske eines ‘Zigeuners’ an)

 Im März 1943 dissertiert Eva Justin über ‘Die Lebensschicksale artfremd aufgezogener Zigeunerkinder’. Hierfür hat sie Jenische & Sinti Kinder in einem Kinderheim (Mulfingen) ausführlich untersucht und beobachtet. Sie sterben fast alle unmittelbar darauf in den Gaskammern von Auschwitz. Nach 1945 manipuliert sie Fragebögen in Entnazifizierungsverfahren, und wird als Mitläuferin eingestuft. Robert Ritter und Eva Justin arbeiten bis 1947 in der Heilanstalt Mariaberg in Mägerkingen/Württemberg an der Auswertung ihrer Unterlagen (erbb. Gutachten) weiter. Robert Ritter bewirbt sich 1947 bei der Stadt Frankfurt/Main,und wird eingestellt, obwohl seine Vergangenheit bekannt ist. Er wird Leiter der ärztlichen Jugendhilfstelle im Stadtgesundheitsamt. Ab 1948 war er verbeamtet, und hatte den Status eines Obermedizinalrates. Am 1.3.1948 tritt Eva Justin ihr neues Amt als Kriminalpsychologin ebenfalls in Frankfurt a.Main an - promoviert hatte sie im Fach Anthropologie. Ihr direkter Vorgesetzter heißt wieder Robert Ritter. Eva Justin arbeitete in den 50er Jahren als Amtsärztin in Frankfurt/Main, und wurde als ‘Gutachterin’ bei Wiedergutmachungsanträgen von Sinti u. Roma eingesetzt. Ihre Karriere konnte sie als Leiterin der Bornheimer Erziehungsberatungsstelle beim dortigen Jugendamt ungehindert fortsetzen, bis Anfang der 60er Jahre ihre Arbeit während der NS-Zeit publik wurde. Daraufhin wurde sie zur Erhebung von Sozialdaten, auf dem Wohnwagenplatz Frankfurt/Bonames eingesetzt zu dessen Bewohnern auch viele Sinti u. Roma gehörten. Sämtliche Ermittlungsverfahren gegen Eva Justin und Robert Ritter wurden eingestellt. Beide Personen wurden nie verurteilt...

Die Zigeuner - eine neue erbliche Unterschicht?

Der folgende Text aus: Weiss, Volkmar: Die IQ-Falle: Intelligenz, Sozialstruktur und Politik. Graz: Leopold Stocker 2000, S. 195-202

Ein Problemfall, wenn auch ganz anderer Art, sind die Zigeuner. Auch sie sind seit Jahrhunderten sich wiederholenden Verfolgungen ausgesetzt. Einzelne Autoren bestreiten gar, daß es sich um ein eigenes Volk handelt. Denn nach J. J. Kemeny (zitiert in Szabo 1991, S. 138) ist die ‘zigeunerische Lebensform die Subkultur der untersten Gesellschaftsschicht’. In der Tschechischen Republik, wo sich die Zigeuner von rund 100 000 um 1945 auf jetzt rund 600 000 natürlich vermehrten (Srb 1987), gibt es bei ihnen ernste Probleme (Kalibova und Pavlik 1988). In den Grenzkreisen zu Sachsen, wo früher Sudetendeutsche wohnten, stellen die Zigeuner heute mehr als 4% der Bevölkerung. 1980 kamen auf eine Zigeunerfrau 5,9 Kinder. 27,6% der Zigeunerkinder besuchten Hilfsschulen (im Vergleich dazu 2,6% der Tschechen und Slowaken), 14,9% (1% im Vergleich) hatten in Grundschulen schlechte Zensuren und bewegten sich an der Grenze der Hilfsschulbedürftigkeit. 1980 besuchten 0,3% der Zigeuner eines Jahrgangs eine Universität, im Vergleich dazu 7,1% der Tschechen und Slowaken. Aus den Prozentrangwerten der Bildungsstufen läßt sich so für die Zigeuner der früheren Tschechoslowakei ein mittlerer IQ von 85 ermitteln.

Die Kriminalitätsrate der Zigeuner (Kalvoda 1991) ist sechs- bis achtmal höher als die der Tschechen (50% aller Raubüberfälle und 69% aller Diebstähle in der Tschechischen Republik werden Zigeunern zugeschrieben), ähnlich die Arbeitslosigkeit, die inzwischen bei den unqualifizierten Zigeunern (Koch 1998) auf über 70% gestiegen ist, und etwa dreimal höher die Sozialausgaben. Die Sozialstatistiken von Ungarn und Rumänien liefern ähnliche Zahlen (Szabo 1991). Auch in Ungarn hat sich die Lage der Zigeuner - mit etwa 5% Bevölkerungsanteil die größte Minderheit - seit 1990 (Kovacs 1998) dramatisch verschlechtert: Mehr als 70% sind arbeitslos, gebietsweise im Norden über 90%. 55% aller Inhaftierten sind Zigeuner.

Inzwischen versucht man einen neuen Ansatz. In Kolin bei Prag öffnete 1998 (Koch 1998) eine „Soziale Roma-Mittelschule“, in denen Sozialarbeiter für die eigenen Leute ausgebildet werden sollen. „Einige der 45 Kandidaten für das Abitur der besonderen Art in Kolin drückten im Vorjahr noch Hilfsschulbänke. Dann wurden sie gründlich getestet und für gut befunden. Einige tschechische Grundschulen, hieß es, wollten ihre Roma-Schüler offenbar um jeden Preis loswerden. Das neue Projekt, vom Staat und einer internationalen Roma-Stiftung finanziert, soll nun den Beweis antreten, daß die Kinder der Minderheit, sofern man auf sie eingeht, zu ähnlichen Leistungen fähig sind wie ihre weißen Altersgefährten.“ Auch im ungarischen Pecs (Fünfkirchen) gibt es eine ähnliche Schule, das Gandhi-Lyzeum, das vom Staat und aus einer Spende des amerikanischen Mulitmillionärs George Soros finanziert worden ist (Kovacs 1998). Die Eltern der meisten Schüler haben nur die Hilfsschule besucht, aber aus ihren Kindern soll eine Elite entstehen, die dazu beitragen soll, alle Zigeuner in die ungarische Gesellschaft zu integrieren. Während man in anderen Ländern das Geld vielleicht in die Empfängnisverhütung investiert hätte, versucht man in Ungarn und der Tschechischen Republik jetzt diesen Weg.

Seit 1989 drängen Zigeuner verstärkt nach Deutschland. In einem Bericht des Bundesinstituts für ostwissenschaftliche und internationale Studien können wir nachlesen (Oschlies 1993), daß das Kontingent der Zuwanderer aus Rumänien zu 60% und mehr aus Zigeunern besteht. Mit der Folge, daß die ‘Rumänen’ den zweiten Platz nach der Zahl der Tatverdächtigen in der deutschen Ausländer-Kriminalstatistik einnehmen. Inzwischen hat sich durch die Repatriierungspolitik des Bundesinnenministeriums die Lage wieder etwas entspannt. 1993 wurden an Deutschlands Ostgrenze 16 485 illegale Einwanderer abgefangen, von denen 44,2% Zigeuner aus Rumänien waren. Dabei darf aber nicht außer acht gelassen werden, daß nicht eine Bevölkerungsgruppe insgesamt kriminell ist, sondern immer nur Einzelpersonen. Auch bei Zigeunern ist die Mehrzahl der Personen nicht an kriminellen Handlungen beteiligt, nur ihr prozentualer Anteil wegen der besonderen sozialen Lage und Geschichte und den sich daraus ergebenden Problemen, wie bei allen mobilen Bevölkerungsgruppen, vergleichsweise höher.

Die „Leipziger Volkszeitung“ vom 14.7.1993 schrieb auf S. 16: „Im Polizeirevier für den gesamten Leipziger Nordosten machen von den insgesamt 90 000 Einwohnern die 350 Roma mehr als ein Drittel der operativen Arbeit der Polizei aus.“ Bereits am 21.6.1993 hatte es die „Leipziger Volkszeitung“ gewagt, auf S. 23 einen Leserbrief einer Edith Lautenschläger zu veröffentlichen: „Sie suchen Schutz bei uns, aber wer schützt uns vor Ihnen? Dieser Gedanke beschäftigt mich fortwährend, nachdem ich in der vergangenen Woche ganz schamlos und gezielt von einer Gruppe junger, kräftiger Roma-Frauen bestohlen worden war. In der Art, wie das vor sich ging, handelte es sich nicht etwa nur um einen gelegentlichen Taschendiebstahl, weil ich vielleicht leichtsinnig mit meiner Geldbörse umging. Keinesfalls, denn ich wurde am hellichten Tage in der Straßenbahn sitzend von sechs oder sieben jungen Frauen laut schnatternd umringt und durch Bettelgesten mit vorgestreckten Händen direkt vor meiner Nase derart bedrängt, daß mein Versuch der Abwehr mit dem freien Arm (mit der anderen Hand hielt ich meine verschlossene Handtasche und Einkaufsbeutel fest) erfolglos bleiben mußte. Erst als mir zwei junge Männer halfen, ließen sie von mir ab und stiegen an der nächsten Haltestelle aus. Aber in diesen wenigen Sekunden hatten sie bereits ihr Ziel erreicht. Wie ich erst später merkte, hatten sie unbemerkt den Reißverschluß meiner Geldbörse mit der für eine Rentnerin nicht unbeträchtlichen Summe von 450 Mark gestohlen, die ich zwei Stunden zuvor von der Sparkasse abgehoben hatte. Die Justiz wird diesen Vorgang Trickdiebstahl nennen. Für mich jedoch stellt diese ganze Aktion einen Gewaltakt dar. Denn was macht man als älterer Mensch gegen so einen Trupp junger Leute? Als Trost gab es dann bei meiner Anzeige bei der Polizei verständnisvolle und bedauernde Worte, aber natürlich nicht mehr. Wie sollte es auch. Wenn ich dann in den Medien die Reden verschiedener politischer Gruppierungen über eine multikulturelle Gesellschaft höre, so ist nicht nur dieses Wort fürchterlich abgedroschen; denn damit haben auch andere Probleme, sondern es kommen sicherlich nicht nur mir Bedenken um unsere Sicherheit. Es wird behauptet, daß diese Volksgruppen z.B. in Rumänien verfolgt werden und damit ein Recht auf ein umständliches und langwieriges Asylverfahren haben, obgleich sie aus einem sogenannten sicheren Land kommen. Benehmen sich Menschen so, die aus Angst um ihr Leben fliehen müssen? Ich bin überzeugt, daß sie zwar hin und wieder Übergriffe erleiden, aber nur, weil die dort lebenden Menschen sich nicht alles gefallen lassen und zur Selbstjustiz greifen. Auch das geflügelte Wort von den schwarzen Schafen trifft hier nicht zu, zu viele Beispiele könnten bestimmt viele Leipziger Geschäftsleute aufzählen. Diese Übergriffe ereignen sich ja auch nicht aus einer Notlage heraus, z.B. als Mundraub. Die Familien bekamen ein Dach über den Kopf und sind durch Sozialhilfe sichergestellt in einer Höhe, wie in keinem anderen Land Europas. Ich finde, manche Sinti und Roma legen eine recht seltsame Art von Dankbarkeit für die Aufnahme an den Tag. Oder sind wir ein einziger großer Selbstbedienungsladen?“

Zu drastischen Problemlösungsversuchen neigte man in der kommunistischen Tschechoslowakei. Die Zigeunerin Irena Brabkowa, 25 Jahre alt, die in Kosice in der Slowakei lebt, berichtet selbst über diese Praktiken unter der Überschrift „Den Weißen helfen sie sofort“ (in einem von Fienbork et al. 1992 herausgebenem Sammelband auf S. 103): „Sie locken die Frauen mit dem Geld zur Sterilisation und sagen ihnen auch, daß ein oder zwei Kinder doch schon genug seien. Meine Schwägerin hat schon fünf Kinder gehabt und sich operieren lassen, bei der war das ganz gut. Sie hat dafür 25 000 Kronen bekommen, 5 000 auf die Hand und restliche 20 000 als Scheck. ... Ich aber wollte mich nicht sterilisieren lassen.“ Am 5.2.1993 weiß die „Leipziger Volkszeitung“ (der Artikel ist geschrieben von Wolf und Brössler) unter der Überschrift: „Den tschechischen Roma drohen harte Zeiten. Frühere CSFR eint ein gemeinsames Problem: die Zigeuner“ zu berichten: „Der tschechische Generalstaatsanwalt Jiri Setina hat ein Gesetz vorgeschlagen, nach dem der ‘auffälligen Konzentration’ von Roma mit hohen Geld und auch Haftstrafen begegnet wird. ... Aber auch in slowakischen Zeitungen heißt es, die Minderheit solle nicht mehr bevorteilt werden. Unter dem Titel ‘Wir wollen keine Apartheid’ klagt das Gewerkschaftsblatt ‘Prace’, daß die Minderheit die Mehrheit terrorisiere. Slowaken ließen ‘sich bestehlen, vergewaltigen und ermorden und wissen keinen Rat’.“ Unter den Kommunisten, so eine weitverbreitete Ansicht, wurden Roma bevorzugt. Tatsächlich wurden in der früheren Tschechoslowakei in großangelegten Programmen Wohnungen für sie gebaut. In vielen Fällen standen schon nach kurzer Zeit nicht viel mehr als die Grundmauern.

Sehr lange Erfahrungen im Zusammenleben mit Zigeunern haben die Deutschen in Siebenbürgen gemacht. In Rumänien werden die ersten Zigeuner urkundlich 1340 genannt, in Deutschland 1407. Überblickt man die Situation der Zigeuner in Ungarn und Siebenbürgen vom 15. bis zum 18. Jahrhundert und vergleicht sie mit ihrer Lage in Deutschland, so wird man zumindest sagen können, daß sie im Südosten zwar auch am Rande der Gesellschaft lebten, aber dort weniger Pressionen ausgesetzt waren. Das Volk der Zigeuner wanderte im 19. Jahrhundert bis auf relativ wenige Sippen, die an der Peripherie von Ortschaften seßhaft geworden waren, umher. Die ersten zuverlässigen Zahlen über Zigeuner in Ungarn stammen aus der Josefinischen Konskription von 1780-1783. Danach zählte man in Ungarn 43 609 Zigeuner. 1880 hatte Ungarn insgesamt 90 921 Zigeuner, davon 56 006 in Siebenbürgen. Das waren 2,7% der Bevölkerung Siebenbürgens. Die relativ meisten Zigeuner lebten im Kreis Mieresch, zu dem auch das Dorf Zendersch gehört. Über dieses Dorf gibt es eine unfangreiche Gemeindegeschichte von Georg und Renate Weber (1985), auf die wir uns im folgenden stützen. 1978 lebten in Zendersch 212 Zigeuner (von denen 185 = 87% in der Gemeinde geboren waren). Das waren 18,5% aller Einwohner des Dorfes. Die ersten Zigeuner müssen zwischen 1722 und 1750 nach Zendersch zugewandert sein, um hier bodenständig zu leben. 1880 hatte ihr Bevölkerungsanteil 4,8% betragen und betrug 1941 7,7%. Bis 1982 stieg ihr Anteil dann bis 30,1% an (344 Personen). 1978 betrug ihre Kinderzahl pro Familie 5,1. In der Bundesrepublik Deutschland betrug die Vergleichszahl in dieser Zeit für die Zigeuner 3,4 Kinder, für alle Familien mit Kindern unter 18 Jahren damals 1,8. Von den insgesamt 32 Zigeunerfamilien in Zendersch hatten 14 (44%) vier bis fünf Kinder und zehn Familien (31%) sechs und mehr.

Noch eklatanter ist ihre Abweichung vom Mittel der Siebenbürger Sachsen und Rumänen bei der Schulbildung. 99% aller nicht mehr schulpflichtigen Zigeuner hatten höchstens vier Klassen Grundschule, und nur eine Zigeunerin, von Beruf Lehrerin, hatte das Gymnasium besucht. Sehr viele waren faktisch Analphabeten. 1956 lauteten die entsprechenden Zahlen für alle Zigeuner Siebenbürgens: weniger als 4 Jahre Schule: 25,0%, 4 bis unter 7 Jahre: 73,8%, 7 Jahre: 1,2% und höhere Schule: 0.01%. Ein ähnliches schulisches Qualifikationsdefizit hatten aber auch die Zigeuner in der Bundesrepublik Deutschland, denn 1978 besaßen 91% der erwachsenen Zigeuner und Landfahrer einen schulischen Ausbildungsgrad mit Volksschule ohne Abschluß, Sonderschule oder gar keine schulische Ausbildung (Freese et al. 1980). Nach dieser Statistik bezogen (1980) Zigeuner etwa fünfmal häufiger Sozialhilfe, als ihrer Bevölkerungsanteil entspricht; 35% waren 1980 arbeitslos. „Das Problem der Mischehe liegt zumeist darin, daß sich der nicht-zigeunerische Partner der Sippe der Zigeuner unterwerfen muß, aber nur in den seltensten Fällen deren vollständige Anerkennung erlangen kann. Gleichzeitig muß er häufig die Kontakte zur eigenen Familie abbrechen, wodurch er in die Gefahr großer Isolation gerät.“

Nach allem, was wir heute von der Blutgruppengenetik und der Analyse ihrer sprachlichen Herkunft wissen, stammen die Zigeuner aus Nordindien, von wo sie begonnen haben, sich vor etwa 1 000 Jahren in Richtung Kleinasien und später dem Balkan in Bewegung zu setzen. Noch heute leben in den Ebenen Nordindiens eine Anzahl nomadischer Stämme, von denen einige von ihnen lange Zeit als „kriminelle Kasten“ klassifiziert und verfolgt wurden (Fuchs 1962, S. 106ff.). Noch heute gehören diesen Stämmen und Kasten mehrere hunderttausend Menschen an (und ihre Zahl wächst absolut und relativ an.) Viele üben die verschiedensten Wanderberufe aus oder sind fahrende Händler, Wahrsager, Schausteller und Musiker, ein Teil von ihnen ernährt sich aber aus Handlungen, die auch in Indien als kriminell gelten, wie Viehdiebstahl, organisierten Raubüberfällen und Diebstählen. In der Beschreibung dieser in sich heterogenen Stämme finden wir Elemente wieder, wie sie auch bei Zigeunern statistisch gehäuft auftreten. Auffällig ist ferner der geringe Wortschatz der Zigeunersprache Romani (Vekerdi 1981), die nur 800 Primärworte kennt, davon etwas mehr als die Hälfte indischen Ursprungs. Die Zigeunersprache enthält keinerlei Begriffe aus denen sich schließen ließe, daß die Vorfahren der Zigeuner in Indien jemals eine produzierende Tätigkeit, etwa im Ackerbau, ausgeübt hätten. Ihrer Sprache fehlen alle Begiffe, mit denen Arbeitsteilung und soziale Hierarchie beschrieben werden können.

In der auch in Rumänien mehr und mehr auf Bildungsauslese beruhenden und erziehungsorientierten Prestigeordnung spielen die Zigeuner die Rolle von Analphabeten. Diese Rolle scheint den noch schulpflichtigen Zigeunerkindern tradiert zu werden, denn die meisten Zigeunerschüler in Zendersch besuchen - trotz Schulpflicht und Bemühungen der Lehrer - den Unterricht nur gelegentlich, die am Dorfrande wohnenden überhaupt nicht. Sie werden das Analphabetentum fortsetzen. Dafür sprechen miserable frühkindliche Sozialisationsbedingungen wie: Raumenge, die Zigeunersprache Romanes als Muttersprache, Sippenzentriertheit der sozialen Beziehungen, soziales und räumliches Außenseitertum, Erziehungsziele wie Einhaltung von Tabus, Anerkennung von Autoritäten im Rahmen eines ausgeprägten und oft ritualisierten geschlechts- und altersspezifischen Rollenverhaltens mit besonderen Vorstellungen von Sittlichkeit und Ehrenhaftigkeit, Entwicklung körperlicher Wendigkeit auf Kosten intellektueller Fähigkeiten, weitgehende Fehlanzeige von Leistungsbewusstsein und starke Schwankungen im Erziehungsstil. Im Unterricht tauchen dann solche und viele andere Defizite aus dem vorschulischen Raum auf, z.B.: Verständigungsschwierigkeit aufgrund schlechter rumänischer Sprachkenntnisse, gering ausgeprägte Durchhaltebereitschaft und Leistungsmotivation nebst Planungsvermögen, mangelnde Pünktlichkeit und Regelmäßigkeit, Konzentrations-Schwierigkeiten, überdurchschnittliche motorische Fähigkeit und Bedürfnis nach körperlicher Bewegung, was den Unterricht stört. Nimmt man noch die Unfähigkeit und mangelnde Motivation der Eltern, die schulische Ausbildung ihrer Kinder zu unterstützen, hinzu, so wird die Prognose, die junge Zigeunergeneration in Zendersch holt das gesellschaftliche Schicksal ihrer Eltern ein, verständlich.

Da auch im heute rumänischen Siebenbürgen die berufliche Qualifikation und Berufsposition eng mit dem schulischen Leistungsniveu und dem IQ zusammenhängen, ist für die Zigeuner in Zendersch ein relativ hohes berufliches Qualifikationsdefizit zu erwarten. Den eklatanten Mangel spiegeln folgende Zahlen wider: Nicht nur alle Arbeitsfähigen, sondern alle Männer und Frauen hatten 1978 keinerlei Berufsausbildung - ausgenommen die erwähnte Lehrerin von außerhalb. Die Vergleichszahl von 91% für die von Freese et al. (1980) untersuchten Zigeunergruppen in Deutschland ist nicht viel besser. Entsprechend fehlender beruflicher Qualifikationen, geforderter Regelmäßigkeit und Pünktlichkeit, arbeiten nahezu alle Zenderschen Zigeuner in einem nicht festen Arbeitsverhältnis in der Landwirtschaft. Lediglich neun Männer pendeln in die Stadt nach Schäßburg aus und verdienen dort als Bauarbeiter ihr Geld. Damit scheint sich die Situation der Zigeuner von heute, verglichen mit der Zeit vor 1944, strukturell wenig verändert zu haben, denn bereits damals waren alle Zenderscher Zigeuner Analphabeten, ohne Berufsausbildung, arbeiteten sporadisch als Tagelöhner in der Landwirtschaft, flochten Körbe oder schnitzten Löffel, formten und brannten Ziegel, suchten Pilze und Erdbeeren, strichen bei Hochzeiten nach Gefühl und Wellenschlag ihre Geigen, verdienten als Abdecker etwas Lebensmittel oder lebten von Bettel und gelegentlichem Mundraub. Hierin bildeten die Zenderschen Zigeuner keine Ausnahme, denn die berufliche Situation der Zigeuner, auch in Ungarn insgesamt, wird ähnlich beschrieben. Die Zigeuner stellen also auch heute noch das entspannte Leben vor den wirtschaftlichen und sonstigen Erfolg. Noch immer ähneln sie Mitgliedern von Urgesellschaften, die, ohne auf Mehrwert zu schielen, gerade soviel arbeiten, daß es zum Leben reicht.

Auch heute noch hausen die Zigeuner in Zendersch in erbärmlichen Lehmhütten mit zerzausten Stroh- oder Schilfdächern. Durch die offene Tür sieht man in einen einzigen dunklen Raum, in dem sich das gesamte häusliche Leben abspielt und der durch ein einziges winziges Fenster Licht erhält. Eine ganze Menge von schwarzbraunen, glutäugigen Kindern lungern um das Feuer auf dem Erdboden herum. Über der offenen Herdflamme hängt der Kessel, in dem die Mutter den Paulukes, einen in Wasser gekochten Maisbrai, das Nationalgericht, zubereitet.

„Die Randstellung der Zigeuner wird auch durch die Vorurteile der Bevölkerungsmehrheit tradiert. ... Bei allem sonstigen Streit in der Forschung ist man sich in einem Punkte einig: Vorurteile sind keinesfalls angeboren, sondern werden in sozialen Lernprozessen erworben. ... Da man den Zigeunern mehrere negative Merkmale, Eigenschaften und Verhaltensweisen mit Erfolg zugeschrieben hat, begegnet man ihnen dementsprechend. Von den rein äußeren Rassemerkmalen der Zigeuner schloß und schließt man auf alle anderen Verhaltensweisen und Eigenschaften. Zigeuner zu sein, bestimmte und prägte wie keine andere Tatsache die Stellung eines Angehörigen jener Gruppe auf lokaler Basis und damit auch den Umgang mit ihm. ... Trotz Kollektivierung und Sozialismus hat sich nach unseren Beobachtungen in der Einstellung zu den Zigeunern wenig geändert. Weder verkehren Siebenbürger Sachsen und Rumänen sozial mit ihnen, noch möchte man bei der Arbeit mit ihnen an einem Strang ziehen. Die ethnische und rassische Grenze bildet eine klare und sozial überwachte Trennlinie. ... Das ist bei den Zigeunern leicht möglich, weil sich mehrere Statusmerkmale bei ihnen häufen: niedriger IQ, Analphabetentum, mangelnde Berufsqualifikation, fremde Sprache und anderes Arbeitsethos. ... Fragt man nicht nur nach den Folgen, sondern weiter nach den Funktionen von Stigmatisierungen, so müssen mindestens zwei Ebenen unterschieden werden, die des einzelnen und die der ethnischen Gruppe in der Gemeinschaft. Für den einzelnen haben die negativen Merkmale oder Stigmata eine Orientierungsfunktion im Umgang miteinander, denn die Zeichen beinhalten bestimmte Erwartungen und Verhaltensweisen des jeweils anderen. Man kann das Verhalten des anderen aufgrund seiner Merkmale abschätzen und sich darauf einstellen. Eigene Unsicherheit wird dadurch vermindert. Doch diese Entlastung im Umgang miteinander hat auch eine Kehrseite. Sie verzerrt die Wahrnehmung des anderen und blockiert mögliche neue Erfahrungen mit ihm. ... Hinzu kommt, daß dem Zigeuner die Vorurteile der Mehrheit ihm gegenüber als Verhaltenserwartungen erscheinen.“ (zitiert nach Weber und Weber 1985). Die Stigmata regulieren den sozialen Verkehr zwischen den Gruppen, insbesondere zwischen Deutschen und Rumänen einerseits und Zigeunern andererseits. Letzteren versperren sie den Zugang zu knappen Gütern wie Status, Berufschancen, Ehepartnern, politischer Führung, Wohnlage im Ort usw. Das Vorhandensein der kastenähnlichen Gruppe der Zigeuner wirkt auf diese Weise systemstabilisierend. Wird z.B. nicht geerntet, wie erwartet, so kann die Führungsgruppe von Rumänen und Deutschen in der Landwirtschaft nicht nur das Wetter, sondern auch die mangelnde Arbeitsleistung der Zigeuner dafür verantwortlich machen.

Die Kriminalität von Zigeuner führt zu sozialen Konfikten

(Andreas Feiertag / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31. 1./1. 2. 2004)

‘In den heißen Ländern reift der Mensch früher, erreicht aber nicht die Vollkommenheit der temperierten Zonen. Die Menschheit ist in ihrer größten Vollkommenheit in der Rasse der Weißen. Die gelben Indianer haben schon ein geringeres Talent. Die Neger sind weit tiefer und am tiefsten steht ein Teil der amerikanischen Völkerschaften.’ 

Die Niederschrift eines Vordenkers für die nationalsozialistische Rassenhygiene? Mitnichten! 

Der Name des Verfassers steht bis heute für kritisches und aufgeklärtes Denken, mehr noch: für Sittenlehre schlechthin. Das Zitat stammt von Immanuel Kant, aus seinen 1802 verfassten Schriften zur Anthropologie. Ähnliches Rassendenken findet sich auch in Abhandlungen anderer viel zitierter Philosophen wie etwa Johann Gottlieb Fichte, Wilhelm Friedrich Hegel und Francois Marie Voltaire. 

Die jüngsten Erkenntnisse einer Wiener Historikerkommission, wonach der österreichische Psychiater und Nobelpreisträger Julius Wagner-Jauregg "Rassenhygieniker war, der dieses Gedankengut in Österreich vor 1938 massiv propagiert hat", werfen einige Fragen auf: 

Wer waren die anderen? Woher stammt dieses Gedankengut? Und wie fand es in der Gesellschaft Akzeptanz? Rassendenken ist eng verknüpft mit Imperialismus, hatte sich Ende des 18. Jahrhunderts in Europa durchgesetzt. Doch das Fundament jener Rassenideologie, die später von den Nazis dankbar aufgenommen werden sollte, geht auf zwei Theorien des
19. Jahrhunderts zurück: auf den Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen von Joseph Arthur Gobineau und über die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl von Charles Darwin. Der Franzose ließ sich über die angeblich ungleiche Wertigkeit der Rassen aus, und der Brite lieferte mit seinem formulierten Selektionsprinzip den Ausgangspunkt dafür, das evolutionäre ‘Survival of the Fittest’ vom Individuum auf eine rassisch determinierte menschliche Gesellschaft, auf eine soziale Gruppe umzulegen: Der ‘Sozialdarwinismus’ entstand zur Zeit der Weltwirtschaftskrise, der zunehmenden Verarmung und der gleichzeitigen Entstehung der ersten staatlichen Armen- und Behindertenheime. Dabei basiert der Sozialdarwinismus auf einem antidarwinistischen Konzept, der Hemmung der Auslese: Notwendige Selektion komme in der modernen Gesellschaft nicht mehr zur Geltung. Humanität, medizinischer Fortschritt und soziale Reformen würden Arme, Kranke, Schwache, Behinderte - ‘Minderwertige’ - schützen, der natürlichen Auslese entziehen.

Schon 1883 veröffentlicht Darwins Cousin Francis Galton eine folgenreiche Schrift, wonach sowohl physische als auch psychische Merkmale vererbt würden. Und da sich die Träger ‘minderwertigen’ Erbgutes rascher fortpflanzten als andere, hätten Staaten die Aufgabe, durch ‘eugenische Maßnahmen’ die Verschlechterung der Erbanlagen des Gesamtbevölkerung zu verhindern: Aussonderung von Gewohnheitsverbrechern, Ehe- und Fortpflanzungsbeschränkung für Behinderte. Seine Ideen wurden von der in London gegründeten ‘Eugenic National Society’ erweitert, 1911 wurde Eugenik als Unterrichtsfach an der Universität institutionalisiert. Vorschläge dieser Einrichtung wurden aber in Großbritannien zunächst nicht in die Praxis umgesetzt. Anders in den USA, wo es zur Erlassung von Sterilisationsgesetzen in 30 Bundesstaaten kam: Rund 60.000 Menschen wurden zwangssterilisiert, die letzte gerichtlich verordnete Unfruchtbarmachung fand 1925 statt. Ähnliches erlitten auch Tausende Aborigines in Australien. Die Institutionalisierung dieser Idee an Hochschulen und in außeruniversitären Gesellschaften Kontinentaleuropas fand zuerst in der Schweiz statt. Am radikalsten entwickelte sich die Eugenik - die zunächst ‘nur’ Asylierung und Unfruchtbarmachung vorsah - als ‘Rassenhygiene’ in Deutschland: Da der ‘Erfolg’ bisheriger eugenischer Maßnahmen erst nach Generationen sichtbar, die ‘Aufzucht’ einer ‘hochwertigen Rasse’ also zu lange dauern würde, sprach sich der Arzt Alfred Ploetz als Erster öffentlich für die Tötung ‘missratener’ Individuen aus. Zur ‘Kontrolle’ der für die ‘aktive Auslese’ Vorgesehenen wurde eine ‘Krankenpasskarte’ gefordert, die auch Daten zur genetischen Qualität enthalten sollte. Nach dem Ersten Weltkrieg, verstärkt durch Elend und zunehmendes Leistungsdenken, wurde die Gesellschaft als Ganzes noch mehr biologisiert und ökonomisiert - auch in Österreich. Selbst der aus dem jüdischen sozialliberalen Bürgertum stammende Wiener Anatom und Gesundheitsstadtrat Julius Tandler rechnete vor, dass die 5000 Insassen in den Wiener Irrenanstalten elf Millionen Schilling kosten, und forderte die ‘Unfruchtbarmachung der Minderwertigen’. 

Auch so bekannte Wissenschafter wie Konrad Lorenz und Walther Birkmayer propagierten die ‘rassenpflegerische Ausrottung und Ausmerze’. Ab 1924 entstanden ‘Gesellschaften für Rassenpflege’ in Graz, Linz und Wien. Der Wiener Vorsitzende Otto Reche, Vorstand des Anthropologischen Instituts, definierte Rassenpflege so: ‘Die Pflege des Erbgutes der Volksgemeinschaft. Nur wenn wir die von der Natur gewollte Förderung des Starken, Lebenskräftigen und die Ausmerzung des Lebensuntüchtigen bewusst durchführen, treiben wir jene Hygiene, die dem Ganzen nützlich ist.’

Die deutschen Wissenschafter Alfred Hoche und Karl Binding gingen noch vor 1933 in ihrer Broschüre Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens den letzten Schritt. 

Daraufhin erarbeitete Ernst Rüdin, Schüler des Schweizer Rassenhygienikers August Forel und Reichskommissar der Gesellschaft für Rassenhygiene, für Hitler das "Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses" - die systematische ‘Ausmerzung’ der ‘Minderwertigen’ begann.

 Hier kommen weitere Österreicher ins Spiel: Rüdin war 1935 Promotor der Habilitationsschrift des Psychiaters Friedrich Stumpfl, eines Wiener Schülers von Julius Wagner-Jauregg. 1938 übernahm Stumpfl das rassenhygienische Institut in Innsbruck, setzte seine Karriere nach dem Krieg fort: Einer seiner bekanntesten Schüler war der freiheitliche ehemalige Präsidentschaftskandidat Otto Scrinzi. Ebenfalls aus der Schule Wagner-Jaureggs stammt der St. Pöltener Rassenbiologe Karl Thums, der nach seinen Diensten für die Nazis an der Uni Prag unterkam und seine Gedanken in der österreichischen, extrem rechten Postille Aula weiterhin zum Besten gab. Neben diesen primär ideologisch wirkenden Rassenhygienikern hatte Österreich freilich auch einige Praktiker aufzubieten, die allesamt aus der Grazer Schule des Psychiaters Fritz Hartmann stammten, der bereits 1919 die erbliche Reinhaltung der deutschen Rasse predigte. 

Einer seiner Jünger war Maximilian de Crinis, 1933 nach Deutschland ausgewandert und Schlüsselfigur in der NS-Euthanasie. Hitler holte ihn ins Reichserziehungsministerium, von dort aus schickte er seine rassenhygienischen Grazer Uni-Freunde an die Schaltstellen der Vernichtungszentren: Rudolf Lonauer wurde Leiter der Euthanasieanstalt Hartheim. Hans Bertha zeichnete für das Morden in Wien verantwortlich, Oskar Begusch, Ernst Sorger und Otto Reisch in Graz. Bilanz des Rassenwahns im Deutschen Reich: sechs Millionen ermordete Juden, 150.000 ermordete geistig Behinderte und andere ‘Lebensunwerte’, 400.000 Zwangssterilisierte wie z.B. die Jenischen. Und vergangenes Jahr apostrophierte der international gefeierte Wissenschafter James Watson, für die Entdeckung der Struktur des menschlichen Erbgutes gemeinsam mit Francis Crick mit dem Nobelpreis ausgezeichnet: ‘Niedrige Intelligenz ist eine Erbkrankheit’ - genetisch bedingt, somit aus der Welt zu schaffen.