Sekretariat für Öffentlichkeitsarbeit & Presseservice im Bundessekretariat d. J/B/i/D e.V.:

Das offizielle Pressearchiv des J/B/i/D e.V. bei OpenPR.de

 

Offizielle Presse-Erklärungen

 

PR Nr. 77/11 vom 15. Dezember 2011:

 

Bundesrat der Jenischen Deutschlands (B/J/D) e.V. trifft anlässlich der alljährlichen Gedenkstunde zu Ehren der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an Sinti, Roma und Jenischen im Bundesrat zu Berlin den Präsidenten des Bundesrats der BR Deutschland; Horst Seehofer (CSU) sowie weitere Vertreter der Bundesländer:

 

   Bild: Bundesratspräsident und Ministerpräsident v. Bayern, CSU Vorsitzender Horst Seehofer

Delegation des B/J/D im J/B/i/D e.V. trifft Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU):

Berlin: Anlässlich der alljährlichen Gedenkstunde zu Ehren der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an Sinti, Roma und Jenischen im Bundesrat zu Berlin trifft der Bundesrat der Jenischen Deutschlands den Präsidenten des Bundesrats der BR Deutschland, Horst Seehofer (CSU) sowie weitere Vertreter der Bundesländer zu dem ebenfalls jährlich stattfindenden Gespräch.

B/J/D e.V. begrüßt neues NPD-Verbotsverfahren:

Der Bundesrat der Jenischen Deutschlands begrüßt den neuen Versuch endlich ein e rfolgreiches Verbotsverfahren gegen die derzeit sogar in Landtagen vertretene rechtsextreme Partei NPD einzuleiten und bedankt sich im Namen der jenischen Volks- und Opfergruppe bei Bundesratspräsident Horst Seehofer für den herzlichen Empfang unserer Delegation im Bundesrat der BR Deutschland.

Diskriminierung Jenischer in der BRD angeprangert:

Wir danken vor allem für das sehr offene und konstruktive Gespräch in welchem wir unter anderem auch auf die nach wie vor vorherrschende Diskriminierung (durch z.B. die Polizei, Schul- u. Jugendämter bzw. anderen Ordnungs- o. Vollzugsbehörden), unter welchen viele Jenische auch hier in Deutschland bis heute noch in den alltäglichsten Situationen leiden, ausführlich hinweisen konnten.

Anerkennung der JENISCHEN als autochthone Volkgruppe …

Ein ganz wichtiges Thema war auch die lange überfällige Anerkennung der Jenischen als autochthone Volksgruppe welche wie die Sinti und Roma dem europäischen (EU) Rahmenübereinkommen zum Sprach- und Minderheitenschutz zumindest gleichgestellt ist. Die Jenischen erfüllen alle Voraussetzungen, welche die Bundesregierung einer Anerkennung als Minderheitenvolk nach dem Rahmenübereinkommen zum Sprach- und Minderheitenschutz zugrunde gelegt hatte.

So die angestammten Siedlungsgebiete innerhalb der heutigen BRD! Es gibt heute noch ganze Dörfer, welche nicht nur von Jenischen gegründet wurden, sondern bis heute von vielen Jenischen bewohnt werden! Gerade in Süddeutschland liegen die Wurzeln der me isten Jenischen Deutschlands.

Eigene Kultur welche nach wie vor gepflegt und gelebt wird!

Die meisten Jenischen leben bis heute nach alter Tradition, diejenigen welche Sesshaft (gemacht) wurden fahren aber auch heute noch in der Regel jede freie Minute mit Ihren Gespannen raus, und sei es auch nur über die Ferien ihrer schulpflichtigen Kinder. Nicht zuletzt auch um den Kindern die jenischen Gepflogenheiten und traditionellen Bräuche zu lehren damit unsere jenische Kultur trotz massivster Assimilierungsversuche durch die Obrigkeit erhalten bleibt.

Die eigene Sprache. Viele Wissenschaftler, darunter die meisten derjenigen, welche schon seit Jahrzehnten an der Diskriminierung Jenischer beteiligt waren, behaupten Jenisch wäre ein aus dem Rotwelsch abgeleiteter Soziolekt.

Das stimmt zwar nicht, aber ändert auch nichts an dem Anspruch auf Schutz und Erhalt dieser Sprache. Wann wird denn aus einem Soziolekt eine eigene Sprache? Wenn man es genau nimmt, kann man die jenische Sprache mitsamt der jenischen Kultur länger nachweisen, als es so manches Land in Europa überhaupt gibt.

Wer gibt denn DRITTEN das Recht uns Jenischen unsere eigene Identität als Jenische abzusprechen!? Wie viele Jahrhunderte braucht ein Volk, um sich Volk nennen zu dürfen? Traurig denn sogar die Naziverbrecher, trotz der Tatsache, dass diese so viel Leid über Jenische brachten, ließen uns diese aber wenigstens unsere eigene Identität. Wer kann nun wirklich beurteilen was für uns schlimmer ist?

Als Jenischer/e in den menschenverachtenden Nazi-Tode slagern umgebracht zu werden oder die eigene Identität durch den Nachfolgestaat gleich ganz abgesprochen zu bekommen!? Roosevelt schrieb mal: „Nur durch die zwangsweise Assimilierung kann man ein Volk noch ausrotten, wenn man es nicht umbringen kann. Aber ist nicht beides eine Art „Genozid“!?

Mangelnde Bereitschaft zur vorurteilsfreien und im Ergebnis offenen Aufklärung:

Auch die mangelnde Bereitschaft sich endlich seiner historischen Verantwortung gegenüber der jenischen Opfergruppe zu stellen, in dem man entsprechende Mittel zur vorbehaltlosen, objektiven Aufarbeitung der jenischen Leidens- und Verfolgungsgeschichte bereitstellt, bevor auch noch die letzten Zeitzeugen verstorben sind. Bisherige Versuche, z.B. zusammen mit der bundeseigenen Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas dies anzugehen, scheiterten an der fehlenden Bereitschaft seitens des Direktoriums dieser Stiftung sich diesem Thema ERGEBNISSOFFEN und ohne VORURTEILE zu stellen.

Was angesichts der Beteiligung gerade auch der Deutschen Wissenschaft an der Verfolgung der Jenischen vor, während und nach dem `Dritten Reich´ sowie der Tatsache, daß viele der zuvor ja direkt beteiligten deutschen Wissenschaftler wie z.B. Dr. Robert Ritter (Uni-Tübingen); Eva Justin usw., ihre rassistischen Ansichten über die Jenischen noch bis in die 70er Jahre ganz offiziell verbreiten konnten, aber auch nicht wirklich verwundern kann. So stützte sich selbst die Bundesregierung in ihrer Argumentation gegenüber jenischer Organisationen immer wieder auf die Thesen von als `Jenisch-Hasser´ berüchtigten und z. T. selbst an der Diskreditierung der Jenischen beteiligten Pseudo-Ziganologen wie Prof. Arnold, Opfermann und Co!

Gerade deshalb begrüßen wir ausdrücklich, daß der Bundesrat der BR Deutschland mit der z.T. bis heute andauernden Hierarchisierung von Holocaustopfergruppen endlich klar bricht und den versuchten Genozid an den Jenischen als das bezeichnet, was er war:

Der Gott sei Dank misslungene Versuch alle Jenischen nach und nach auszurotten, nichts anderes!

Die genaue Zahl jenischer Opfer (Sicher ist das von den 34 000 beim Reichsicherheitshauptamt erfassten `Zigeuner´ ca. 16 000 Jenische waren und fast jede 2. jenische Familie Opfer zu beklagen hat) ist bis heute noch nicht genau bekannt da viele Opfer als so genannte `Zigeuner; Zigeunermischlinge; Asoziale oder wg. angeblich begangener Verbrechen verfolgt und ermordet wurden und bis heute mangels wissenschaftlicher Aufarbeitung nicht nur zu einem großen Teil noch den Sinti & Roma (deren Leiden wir in keiner Weise anzweifeln noch in irgendeiner Form relativieren wollen!); Verbrechern oder den als `schwer Erziehbar´ bzw. `getarnt Schwachsinnige´ deklarierten, in geschlossenen Irrenanstalten wie z.B. Kaufbeuren eingesperrten und im Rahmen der Euthanasie (wie man am Beispiel der Geschichte von Ernst Lossa sehen kann) ermordeten Opfern regelrecht untergehen.

Standplatzproblematik und aufkeimender Rechtsextremismus :

Es wurden aber auch ganz aktuelle Themen wie z.B. die Standplatzproblematik, der aufkeimende Rechtsextremismus sowie andere aktuelle Belange unserer Volks - und Opfergruppe angesprochen. Wir hoffen unsererseits ausführlich Rede und Antwort gestanden zu haben und bedanken uns für die Aufmerksamkeit, welche wir erfahren durften. An dieser Stelle verweisen wir auch auf die Rede von Horst Seehofer welcher es eigentlich auch nichts mehr hinzuzufügen gibt außer:

Ein herzliches Vergelt`s Gott, Herr Bundesratspräsident, auch Ihnen wird das jenische Volk die gleichberechtigte Berücksichtigung unserer jenischen Opfer nicht vergessen …

Rede von Bundesratspräsident Horst Seehofer anlässlich der Gedenkstunde zu Ehren der Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an Sinti, Roma und Jenischen in der 891. Sitzung des Bundesrates am 16. Dezember 2011.


Wir rufen alle Deutschen Politiker auf dem Beispiel von Peter Müller (853. Sitzung in 2008) und Horst Seehofer (891. Sitzung in 2011) endlich zu folgen und mit dieser unerträglichen und die Opfer im Nachhinein noch diskriminierenden Hierarchisierung der Opfer von NS-Gräuel endlich zu brechen!