Gewidmet den vielen Jenischen Opfern des "Dritten Reichs"



Wir verneigen uns im Stillen Gedenken und tiefer Trauer um die vielen tausenden von Jenischen Opfern, die von den “Nazi-Diktatoren” des Dritten Reichs im besetzten Europa als so genannte “Zigeuner” unerbittlich verfolgt, und in den unfassbar unmenschlichen Konzentrationslagern der Nazi’s ermordet wurden. Möge Ihnen nun im Himmel der Friede vergönnt sein, den sie zu ihren Lebzeiten von vermeintlichen “Herrenmenschen” auf solch grausame Art und Weise verwehrt bekamen ..... Mögen Sie in Frieden ruhen ....

Gedenkveranstaltung am 19.12.2008
mit Kranzniederlegung an der Mahnmalbaustelle!

Auch dieses Jahr wurden wir als Opferverband der Jenischen wieder zur alljährlichen Gedenkveranstaltung vom Präsidenten des Bundesrats, Peter Müller, in den Bundesrat der BR Deutschland eingeladen!

Danach findet dann eine offizielle Veranstaltung an der Baustelle des Mahnmals statt, bei welcher neben einer “Kranzniederlegung” durch die Bundesregierung sowie dem Berliner Senateine Tafel mit der Chronologie des Völkermords enthüllt werden soll!

Anschliessend waren wir, wie alle anderen “Repräsentanten” der Opferverbände es ja auch waren, zu einem kleinen Empfang in das Bundeskanzleramt eingeladen. Hier nun auch noch die versprochenen Bilder:

Dani Karavan;Dr. Michael Roik vom BKM, der Vorsitzende des B/J/D im J/B/i/D e.V., Timo Adam Wagner und der Vizepräsident des Vereinsschäft qwant”, Herr Venanz Nobel, auf dem Empfang im Bundeskanzleramt anlässlich des ”offiziellen Baubeginn“ an der nunja schon so lange verwaisten Mahnmalbaustelle ...


Venanz Nobel (“schäft qwant”); Rene G. Daniel (JBID); Timo Adam Wagner (JBID)und der Herr Staatsminister Bernd Neumann (BKM) ebenfalls beim Empfang im Kanzleramt! Übrigens, wer sich wundert warum alle zerzaust ausschauen, sollte berücksichtigen dass die zuvor stattgefunde Gedenkveranstaltung an der Baustelle beim strömendem Regen und in Kälte von statten ging -was sichtlich Spuren hinterlassen hatte ...


Blick über den “großen Bankettsaal” im Bundeskanzleramt mit Hrn. Romani Rose, Minister Neumann und den vielen anderen vertetern von Organisationen wie der GfB oder dem VdnBdA sowie den anwesenden Zeutzeugen und Überlebenden wie z.B. die Gebrüder Höllenreiner uvm. ....

Nachdem man nun den versuchten Genozid an unserem jenischen Volk erstmals auch durch einen amtierenden Präsidenten der 2. deutschen Kammer, Hrn. MB Peter Müller (Saarland / CDU), ausdrücklich angesprochenund somit offiziell anerkannt hat, freuen wir uns, euch hier an dieser Stelle nun auch den genauen Wortlaut derChronologie für das Mahnmal vorstellen zu können:

Chronologie des Völkermordes an den Sinti und Roma

Unter der Herrschaft des Nationalsozialismus wurden von 33 bis 45 hunderttausende Menschen in Deutschland und anderen europäischen Ländern als „Zigeuner“ verfolgt. Die meisten von ihnen bezeichneten sich selbst nach ihrer jeweiligen Zugehörigkeit zu verschiedenen Gruppen beispielsweise als Sinti, Roma, Lalleri, Lowara oder Manusch.

 

Die größten Gruppen in Europa waren Sinti und Roma. Ziel des nationalsozialistischen Staates und seiner Rassenideologie war die Vernichtung dieser Minderheit: Kinder, Frauen und Männer wurden verschleppt, an ihren Heimatorten oder in Gettos, Konzentrations- und Vernichtungslagern ermordet.

Von Verfolgungsmaßnahmen betroffen waren auch Angehörigedereigenständigen Opfergruppe der J e n i s c h e n und andere Fahrende.

1933
Sinti und Roma werden verschärft diskriminiert, zunehmend entrechtet und aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Es erfolgen erste Einweisungen in Konzentrationslagerund ab 1934 Zwangssterilisationen.

1935
In vielen Städten des Deutschen Reiches werden sog. Zwangslager eingerichtet. In Berlin werden hunderte Menschen zwei Wochen vor der Eröffnung der Olympischen Spiele 1936 in ein solches Lager im Stadtteil Marzahn eingewiesen. Diese Lager dienen der Konzentration, Festsetzung und Erfassung, der Isolierung sowie der Rekrutierung zur Zwangsarbeit.

1936
Nach den Nürnberger Rassengesetzen“ (1935) verfügt Reichsinnenminister Wilhelm Frick im Januar 1936: „ zu den artfremden Rassen gehören alle anderen Rassen, das sind in Europa außer den Juden regelmäßig nur die Zigeuner.“ Auf dieser Basis wird ein rassistisches Sonderrecht etabliert, das für die Betroffenen unter anderem Eheverbote sowie Ausschluss aus Berufen oder der Wehrmacht bedeutete.

1938
Über 2.000 Sinti und Roma aus Deutschland und Österreich, darunter Kinder ab zwölf Jahren, werden bis 1939 nach Dachau, Buchenwald, Sachsenhausen, Ravensbrück, Mauthausen und in andere Konzentrationslager verschleppt. Auf Weisung des „Reichsführers SS und Chefs der deutschen PolizeiHeinrich Himmler wird in Berlin beim Reichskriminalpolizeiamt eine zentrale Stelle eingerichtet,die die Erfassung und Verfolgung der Sinti und Roma steuert und koordiniert.

Im Dezember ergeht ein grundlegender Erlass Himmlers, „die Regelung der Zigeunerfrage aus dem Wesen dieser Rasse heraus in Angriff zu nehmen", mit dem Ziel der endgültigen Lösung der "Zigeunerfrage“.

Die mit der Erfassung beauftragte „Rassenhygienische Forschungsstelle“ fertigt bis Kriegsende nahezu 24 000„rassenkundliche Gutachten„ an, die eine wesentliche Grundlage für die Deportationen in Vernichtungslager bilden.

1939
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges plant das für die Organisation des Völkermordes federführende “Reichssicherheitshauptamt“, alle als „ Zigeuner “ erfassten Menschen zu deportieren. Zur Vorbereitung von Deportationen verfügt es, allen Betroffenen „ die Auflage zu erteilen, ihren Wohnsitz oder ihren jetzigen Aufenthalt bis auf weiteres nicht zu verlassen“.

1940
Auf Befehl Himmlers beginnen die Deportationen ganzer Familien aus Deutschland in das besetzte Polen: „ Der erste Transport von Zigeunern nach dem Generalgouvernement wird Mitte Mai in Stärke von 2.500 Personen […] in Marsch gesetzt werden.“ In Lagern, später auch in Gettos, müssen sie unter grausamen Bedingungen Zwangsarbeit leisten.

Vielerorts unterliegen Sinti und Roma einer Kennzeichnung durch SonderausweiseArmbinden mit der Aufschrift „Z“.

1941
In der besetzten Sowjetunion und in den anderen besetzten Gebieten Ost - und Südosteuropas beginnen systematische Massenerschießungen von Roma. So meldet eine „ Einsatzgruppe der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes der SS “von der K rim: „ Zigeunerfrage bereinigt”.

Aus dem österreichischen Burgenland werden etwa 5.000 Roma und Sinti in das "Getto" Litzmannstadt im besetzten Polen deportiert – über 600 von ihnen sterben dort. Die Überlebenden werden im Januar 1942 im Vernichtungslager Kulmhof in Vergasungswagen ermordet.

1942
Nach einer Besprechung mit “Reichspropagandaminister” Joseph Goebbels über die Auslieferung von “Justizgefangenen” an die SS protokolliertReichsjustizminister Otto Georg Thierack, dass „ Judenund Zigeuner schlechthin […] vernichtet werden sollen. Der Gedanke der Vernichtung durch Arbeit sei der beste.“

1943
Auf der Grundlage eines Erlasses von Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 beginnen ab Februar die Deportationen von rund 23.000 Sinti und Roma aus fast ganz Europa.

Ziel der Transporte ist ein von der SS als „ Zigeunerlager “ bezeichneter Abschnitt von Auschwitz-Birkenau. Innerhalb weniger Monate sterben die meisten von ihnen an Hunger, Seuchen oder durch Gewalttaten der SS. Den Experimenten des dortigen SS - Lagerarztes Josef Mengele fallen zahlreiche Kinder zum Opfer.

1944
Am 16. Mai leisten viele der im „Zigeunerlager“ in Auschwitz noch lebenden 6.000 Gefangenen Widerstand gegen ihre drohende Ermordung. Etwa die Hälfte von ihnen wird zur Zwangsarbeit in andere Konzentrationslager deportiert. Die letzten 2.897 Überlebenden – meist Kinder, Frauen und Alte – werden in der Nacht vom 2. auf den 3. August in den Gaskammern ermordet.

1945
Die Anzahl der als „Zigeuner“ verfolgten Menschen, die im nationalsozialistischen Herrschaftsbereich dem Völkermord zum Opfer fielen, wird sich wohl nie genau bestimmen lassen. Schätzungen reichen bis zu 500.000 ermordeten Männern, Frauen und Kindern.


„Den Sinti und Roma ist durch die NS-Diktatur schweres Unrecht zugefügt worden. Sie wurden aus rassischen Gründen verfolgt […]. Diese Verbrechen haben den Tatbestand des Völkermords erfüllt.“

Bundeskanzler Helmut Schmidt, 17. März 1982

„Der Völkermord an den Sinti und Roma ist aus dem gleichen Motiv des Rassenwahns, mit dem gleichen Vorsatz und dem gleichen Willen zur planmäßigen und endgültigen Vernichtung durchgeführt worden, wie der an den Juden. Sie wurden im gesamten Einflussbereich der Nationalsozialisten systematisch und familienweise vom Kleinkind bis zum Greis ermordet.“

Bundespräsident Roman Herzog, 16. März 1997
 

2009

Eröffnung des Denkmals

 

Wir (!) haben gehalten was wir euch versprochen haben ....


Am Montag dem 18. Februar 2008 konnte bei einem weiteren, abschliessenden Gespräch mit unserem General-Sekretär Timo A. Wagner, der Vorsitzenden des LS-Nordwest Maria Prison und unserem Alterspräsidenten der BVV des J/B/i/D e.V., Hrn. Albert Prison im Bundeskanzleramt der BRD, wohl endlich der tatsächlich entscheidende Durchbruch erzielt werden. Es konnte nun auch von unserer Seite einem entsprechend neu vorgelegten Kompromissvorschlag des BKM zugestimmt werden - Unsere Mitglieder und Partner finden die endgültige Fassung der Chronologie im Internen Bereich auf unserer Webseite, alle anderen müssen sich leider nochbis zur gemeinsamen PR mit dem BKM gedulden, da dieses das Erstveröffentlichungsrecht hat..

Damit wäre auch diesem unwürdigen Disput ein Ende gesetzt!

Da wird sich so mancher doch ein wenig umstellen müssen, denn es bleibt bei einem Mahnmal für die Opfer, die als so genannte Zigeuner verfolgt wurden ..!

Nun wurde ein Kompromiss gefunden mit dem alle Opfergruppengleichermaßenleben können, hoffen wir dass dieser auch genauso wie er vereinbart wurde, umgesetzt wird und nicht erneute Versuche gestartet werden, hier aus dem lange geplanten Mahnmal für die Opfer ein Denkmal für Aktivisten zu machen - Und wir nehmen die Politiker, Ole von Beust, Kurt Beck und Bernd Neumann bei ihrem gegebenen Wort, versprochen ....!

Mahnmal für die “als Zigeuner verfolgten” im Dritten Reich:


Vom amtierenden Bundesratspräsidenten, derzeit Hamburgs 1. Bürgermeister Ole von Beust (vorne links) wurde jetzt erstmals auch der seit Ende 2005 amtierende Vors. des Bundesrats der Jenischen Deutschlands im J/B/i/D e.V., Timo AdamWagner (hinten rechts, hinten linkssein Vize-Sekretär in der Hauptstadtvertretung des J/B/i/D e.V.) als Vertreterder Jenischen Holocaust-Opfergruppezur offiziellen Gedenkfeier im Bundesrat der BRD sowie zu den gemeinsamen Gesprächen mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann zum in Berlin geplanten Holocaust-Mahnmal der “im Dritten Reich als Zigeuner verfolgten” Menschen eingeladen ....

2007 wurde erstmals auch vom deutschen Nachfolgestaat ...

im Bundesrat der BRD offiziell den Jenischen Opfern gedacht!

Bei der offiziellen Gedenkfeier im Bundesrat wurden vom amtierenden Bundesratspräsident, Hamburgs 1. Bgm. Ole von Beust erstmals auch Vertreter des Jenischen Bundes in Deutschland e.V. offiziell eingeladen und in seiner Eröffnungsrede zur 840. Sitzung des Bundesrats sprach er, wie gewohnt, von den Opfern unter denSinti und Roma, sowie erstmals auch der:

“eigenständigen Opfergruppe der J E N I S C H E N, welche einen Großteil der damals alsso genannte Zigeuner verfolgten Opfer darstelle, und die er nun erstmals auch hier im Bundesrat der BRD begrüßen möchte
Bei den anschliessenden Gesprächen zum Mahnmal, bei denen auch unsere Vertreter beteiligt waren, fanden diese natürlich die Zeit sich auch genau dafür bei Ihm, Kurt Beck, Minister Bernd Neumann und den anwesenden Ländervertretern zu bedanken.

Auch wir konnten dem Kompromiss weitestgehend zustimmen

Bei den auf die Gedenkveranstaltung anschliessenden Geprächen zum geplanten Holocaust-Mahnmal in Berlin mit Bundesratspräsident Ole von Beust, MB Dr. Kurt Beck, Staatsminister Bernd Neumann sowie vielen Landesvertretern konnte nun auch von unserer Seite einem von Kultur-Staatsminister Bernd Neumann und dem SPD Parteivorsitzenden Kurt Beck neuerlich eingebrachten Kompromiss-Vorschlag weitestgehend zugestimmt werden!

da alle Forderungen Jenischer Opferverbände erfüllt wurden ...



Dieses Mahnmal muss allen (!) der damals als so genannte “Zigeuner” verfolgten Menschen gewidmet sein und darf keine der Opfergruppen ausschliessen! Jeder der hier nur ein einziges Opfer ausschliessen möchte, vergeht sich an den Opfern dieser Zeit in gleicher Weise wie die Täter von damals!

Wenn dies dann auch noch von einem “Opferverband” getan wird, muss man sich doch tatsächlich fragen, ob dieser angebliche “Opfer-Verband” nicht nur beabsichtigt sich selbst und / oder gar seinem Vorstand eine Art “Denkmal” auf dem Rücken und dem Leid der damaligen Opfer dieser Schreckenszeit errichten lassen will !? Hier muss dann die Politk entsprechend eingreifen oder man macht sich an diesem neuerlichen Verbrechen an diesen Opfern mitschuldig ...

Mahnmal soll allen als Zigeuner verfolgten Opfern gedenken!

Man darf sich nicht erneut an den Opfern schuldig machen...

Wir werden uns aber an den Opfern der bisher leider noch immer nicht berücksichtigten Opfergruppen ganz sicher nicht durch unsere Zustimmung zu deren Ausgrenzung in der gleichen Art schuldig machen, wie man sich an den unsrigen schuldig machen wollte, das können, wollen und werden wir nicht tun.

Aber sprechen wollen und können wir auch nur für die Jenischen, insbesondere für unsere Mitglieder und denen unserer Partnerverbände von denen wir auch legitimiert wurden ...

 

Nie waren die Beteiligten einer gemeinsamen Lösung so nahe!

Lediglich 2 Punkte in der Chronologie müssen nun noch verändert werden, was uns von allen beteiligten Politikern jedoch bereits fest zugesagt wurde, und es daher wohl in absehbarer Zeit endlich zu einem Ende in diesem unwürdigen Streit kommen wird. Was den Kompromiss angeht, möchten wir zu diesem Zeitpunkt noch keine weitere Einzelheiten veröffentlichen ...

 

840. Sitzung des Bundesrates, 20. Dezember 2007

Hier kann man das Protokoll der Plenarsitzung als PDF-Datei herunterladen,

und auch die Rede von “Ole von Beust im Originaltext” wie sie vom Presseamt des Bundesratswiedergegeben wurde findet man hier:

Es gilt das gesprochene Wort!

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

vor zehn Jahren wurde das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma in Heidelberg eingeweiht.

Bundespräsident Herzog eröffnete damals die ständige Ausstellung zum Schicksal der Sinti und Roma zur Zeit des Nationalsozialismus. In seiner Rede sagte der Bundespräsident:

Versöhnung und Friedensstiftung beginnen immer mit einem Wandel falscher Einstellungen. Mit Aufklärung über die Dummheit und Borniertheit von Feindbildern, Aufklärung über Klischees. Versöhnung und Frieden, gehen deshalb immer von Menschen aus, die im anderen zunächst den Mitmenschen sehen.

Am 16. Dezember 1942 unterzeichnete Heinrich Himmler den so genannten “Auschwitz-Erlass”.

Auf Befehl des Reichsführers SS, so der Erlass, sind Zigeunermischlinge, Rom-Zigeuner und Angehörige zigeunerischer Sippen balkanischer Herkunft (…) in einer Aktion von wenigen Wochen in ein Konzentrationslager einzuweisen.

Die Menschenverachtung, die Kälte, die aus dieser Formulierung dringt, ist auch heute noch kaum zu ertragen.

Zwischen 1933 und 1945 wurden 500.000 Sinti, Roma, Jenische und Angehörige verwandter Völker aus ganz Europa, über 20.000 aus Deutschland, erfasst, gedemütigt, gequält, deportiert und ermordet.

65 Jahre nach dem Auschwitz-Erlass, 65 Jahre nach dem 16. Dezember 1942, hat der Wandel falscher Einstellungen - wie es Roman Herzog in seiner Heidelberger Rede nannte - noch längst nicht in allen Köpfen statt gefunden.

In den Jahren nach dem Krieg wurde der Völkermord an den Sinti und Roma geleugnet, die Überlebenden erneut entrechtet, wurde ihnen staatliche Anerkennung für die gegen sie verübten Verbrechen verwehrt. Oftmals waren die Sinti und Roma der Willkür und den Vorurteilen von Behörden und Gerichten ausgesetzt.

Und noch heute ist das Bild der Sinti und Roma in der deutschen Mehrheitsbevölkerung nicht frei von Klischees; Klischees zwischen Rassismus und Romantisierung.

Richtig ist: Mit rund zwölf Millionen Menschen sind Roma, Sinti und die, die sich selber als "Zigeuner" bezeichnen, die mit Abstand größte Minderheit der Europäischen Union.

Sie haben eine eigene Kultur, Sprache und Tradition. Über Jahrhunderte wurden sie verfolgt und durch die Mehrheitsgesellschaft ausgegrenzt. Und wer nicht dazu gehören darf, der muss seine Einzigartigkeiten pflegen, um nicht jeder Identität beraubt zu werden; der wird ganz besonders an Kultur, Tradition, Sprache und Wertvorstellungen festhalten.

Doch das ethnische Selbstverständnis der Sinti und Roma taugt nicht als Gegenbild zur bürgerlichen Gesellschaft.

Wer von der Nicht-Integrierbarkeit der Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma in das moderne Europa spricht, führt die Etikettierung des "Andersseins" mit kulturellen Argumenten fort; der macht sich erneut der Diskriminierung schuldig.

Ein langsamer Prozess des Umdenkens ist seit Ende der 70er Jahre in Gang gekommen; nicht weil sich die Mehrheitsgesellschaft öffnete, sondern weil die Sinti und Roma begannen, sich zu organisieren, sich mutig Gehör zu verschaffen, um endlich in der Mitte unserer Gesellschaft anzukommen.

Und immer da, wo dies gelingt, werden die Sinti und Roma nicht mehr als Angehörige einer ethnischen Minderheit gesehen, sondern einfach als "Mitmenschen", ganz wie es Roman Herzog in seiner Heidelberger Rede vor zehn Jahren forderte.

Doch das ist noch längst nicht selbstverständlich. Noch heute gibt es Sinti und Roma, die sich benachteiligt und an den sozialen Rand gedrängt fühlen. Viele haben schlechtere Chancen in Bildung und Beruf, ihnen wird die Teilhabe am kulturellen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben verwehrt.

Wann immer dies geschieht, müssen wir gemeinsam handeln - ein Hamburger Beispiel:

In der Hansestadt leben derzeit ungefähr 9.500 Roma- und Sinti-Familien, im Durchschnitt mit je drei Kindern. Im Frühjahr 1993 wurde daher in Hamburg der erste Roma-Lehrer eingestellt. Heute sind es insgesamt sieben Roma und ein Sinto, die den Schulbesuch der Roma- und Sinti-Kinder erfolgreich unterstützen und fördern.

Die Roma- und Sinti-Lehrer und -Schulsozialarbeiter arbeiten im Unterricht mit, erteilen herkunftssprachlichen Unterricht, beraten und unterstützen Kollegen, Schüler und Eltern.

Schule wird so zum Ort, der nicht nur von "Nicht-Roma und -Sinti" geprägt ist, der fremd, ja bedrohlich scheint. Sondern Schule wird zur Chance.

Gewiss, dies ist nur ein Beispiel; aber nur mit solch konkreten Projekten kommen wir an gegen die Dummheit und Borniertheit von Feindbildern; nur so gelingt uns die Aufklärung über Klischees - um ein letztes Mal Bundespräsident Herzog zu zitieren - und zwar auf beiden Seiten!

Meine Damen und Herren,

heute ist nicht nur ein Tag des Erinnerns, des Gedenkens und der Trauer - sondern auch ein Tag, der uns zum Miteinander aufruft.

Wir dürfen dem lange fehlenden Unrechtsbewusstsein über den Völkermord an den Sinti und Roma, dem Vergessen und Verdrängen des Zivilisationsbruchs Auschwitz, nicht noch eine weitere Verfehlung hinzufügen: die Ignoranz und Gleichgültigkeit gegenüber der heutigen Lebenswirklichkeit der Sinti und Roma.

Ich begrüße es sehr, dass nun ein Kompromiss gefunden zu sein scheint, für die Errichtung des Denkmals für die Opfer des nationalsozialistischen Völkermordes an den Sinti und Roma, an den Menschen, die sich selbst als "Zigeuner" bezeichnen.

Ich denke, die Länder werden sich mit breitester Zustimmung zu diesem Kompromiss und zu der jetzt vorgelegten Entschließung bekennen.

Überlebende und Hinterbliebene, die Mitglieder der Vertreterorganisationen, möchte ich ganz herzlich zum heutigen Gedenken im Bundesrat willkommen heißen. Ich danke für Ihr Kommen und bitte Sie um Ihre Unterstützung, damit wir den Gedenkbrunnen recht bald in der unmittelbaren Nachbarschaft des Reichstagsgebäudes, am Simsonweg, werden einweihen können.

Auf dem Rand des Brunnens soll das Gedicht des italienischen Rom Santino Spinelli stehen; es trägt den Titel "Auschwitz":

Eingefallenes Gesicht

erloschene Augen

kalte Lippen

Stille

ein zerrissenes Herz

ohne Atem

ohne Worte

keine Tränen.

Meine Damen und Herren,

ich bitte Sie nun, sich von Ihren Plätzen zu erheben, um der Opfer nationalsozialistischer Gewalt unter den Sinti und Roma, den Angehörigen der eigenständigen Gruppe der Jenischen und anderer Fahrender zu gedenken.

Ole von Beust,
Amtierender Präsident des Bundesrats der BRD

Chronologie der Verhandlungen zum Mahnmal ...

Hier eine kleine Chronologie der Verhandlungen und Geschehnisse unter unserer Beteiligungsgrund um das Mahnmal, das nun wohl endlich gebaut und eingeweiht werden kann ...

Stand November/Dezember 2007:

Bei Gesprächen am 05. Dezember 2007 im BKM wurden gemeinsam vom Bundesvorstand des J/B/i/D e.V. und dem Vorstand des Vereins “schäft qwant” die Jenischen Standpunkte erneut klar definiert. Herr Professor Schäfer zeigte sein vollstes Verständnis für unsere berechtigten Forderungen und sagte uns fast alle noch kritisierten Punkte zu.

Bei weiteren Treffen im BKM in Bonn wurde nach möglichen Kompromissen gesucht und auch entsprechende Vorschläge unsererseits dem BKM um Dr. Roik gegenüber unterbreitet. Anlässlich der Verleihung des “Leo-Baeck-Preises” in Berliner Nobel-Hotel” Adlon“ vom “Zentralrat der Juden in Deutschland” an Bundekanzlerin Angela Merkel, konnte auch diese selbst einmal auf die Problematik im leider immer noch andauernden Mahnmalstreit angesprochen werden. Auch hier werden weitere Termine folgen, zumindest wurde uns dies von ihr zugesagt.

Für Anfang Dezember ist nun ein Treffen der Jenischen Vertreter im Bundeskanzleramt in Berlin angesetzt wo bisher unterbreitete Vorschläge diskutiert und wiederum nach möglichen Kompromissen gesucht werden soll. Zu allen derzeit im Internet kursierenden Spekulationen und den immer wieder verbreiteten angeblich getroffenen “Einigungen” können wir nur eines sagen:
 

 

Wir werden euch natürlich auf dem Laufenden halten, aber wir werden uns weder an irgendwelchen Spekulationen noch an der Verbreitung von Gerüchten in irgendeiner Form beteiligen sondern nur über die tatsächlichen Fakten berichten, sobald es solche auch wirklich zu berichten gibt. Wir bitten hierfür noch einmal um euer Verständnis.

Ein Beispiel für die Problemathik der momantanen Situation zeigt das Zitat des Kulturausschussvorsitzenden Hans-Joachim Otto: „Inschrift und Widmung müssen historisch korrekt sein“, fordert der Kulturausschussvorsitzende Hans-Joachim Otto. “Das Denkmal bietet ein gutes Beispiel für Denkmallobbyismus. Romani Rose, der Vorsitzende des Zentralrats der Sinti und Roma, beansprucht die Deutungshoheit für sich - Das darf keine Solonummer von Herrn Rose werden“”, kritisiert selbst Hans-Joachim Otto.

Und damit trifft der Mann doch den Nagel ganz genau auf den Kopf, denn der gute Herr Rose wollte sich hier doch selbst ein Denkmal setzen und nicht den Opfern von damals ein Mahnmal erbauen!

Im übrigen weisen wir die Leute, welche immer wieder meinen, uns mit Drohungen usw. einschüchtern zu können (ganz egal vom welcher Seite die auch immer kommen mögen!) noch einmal auf folgendes hin:

Wir werden solange kämpfen, bis wir auch die Gerechtigkeit für unsere vielen Opfer erhalten!

Und wir lassen uns weder durch die Drohungen, die wieder in unserem Bundes-Sekretariat eingehen einschüchtern, noch lassen wir uns in irgend einer Form (ver)kaufen!

Wir sind einzig und allein unserem JENISCHEN Volk und seinen vielen Opfern verpflichtet, und wir werden dieser Verpflichtung auch nach bestem Wissen und Gewissen versuchen gerecht zu werden. WIR sind nicht käuflich und WIR lassen uns auch nicht einschüchtern!

Ehrenwort darauf!
Stand Mitte September 2007:

Bei einem Treffen von den Vertretern des “Bundesrats der Jenischen Deutschlands” im J/B/i/D e.V., dem schweizer Historiker Dr. Thomas Huonker und den Vertretern des BKM um MD Dr. Michael Roik am Dienstag dem 31. Juli 2007 im Bonner Dienstsitz des Bundeskulturministeriums wurde der gemeinsame Wunsch der Beteiligten nach einer schnellen Einigung im so genannten Mahnmal-Streit zum Ausdruck gebracht.

"Beide Seiten erklärten sich zu evtl. Kompromisslösungen ausdrücklich bereit, vorausgesetzt dasdiese für alle Beteiligten gleichermaßen vertretbar wären!"

Es wurde vereinbart, dass auch von Jenischer Seite ein vom BKM eingebrachter Vorschlag zum Text der “Chronik”, welche jaals Ersatz der unrealisierbar gewordenen Widmung dienen soll, überarbeitet wird und dann erneut im BKM zur Prüfung und als weitere Verhandlungsgrundlage eingereicht wird. Dieser von uns in Zusammenarbeit mit dem J/K/V Österreich e.V. und dem schweizer Verein “schäft qwant” entworfene Kompromissvorschlag wurde am Freitag dem 14. September vereinbarungsgemäß im BKM eingereicht. Nachdem nun die anderen beteiligten Opfergruppen ihrerseits die entsprechenden Vorschläge eingereicht haben, werden weitere Gespräche mit allen Beteiligten in absehbarer Zeit dann hoffentlich auch zu einem Ende dieses doch sehr unwürdigen Disputs führen.

Dies kann jedoch nur gelingen, wenn alle Beteiligten dabei mitwirken eine Lösungzu finden, mit der alle Opfergruppen gleichermaßen leben können. Kompromisslösungen stellen nun einmal Abstriche für alle Beteiligten da, erst wenn dies alle (!) Opferverbände aktzeptieren, werden die Verhandlungen auch erfolgreich sein.

Wir bitten um euer Verständnis dafür, dass wir im Moment wirklich noch keine Details veröffentlichen können, da noch keine Entscheidung getroffen wurde, und die Gespräche im BKM mit allen Beteiligten Opferverbän dennoch andauern. Wir werden jedoch zu gegebener Zeit dann ausführlich über die getroffenen Kompromisslösung informieren ....

Stand Ende Juli 2007:

Im Juli 2007 schaffen Meldungen der Berliner Presse wie z.B. der "taz.de" mit Schlagzeilen wie:

"Einigung bei Mahnmal für Sinti und Roma - Langer Streit um Inschrift ist beendet" oder auch "Grünes Licht für Sinti und Roma - Treffen zwischen dem Zentralrat der Sinti und Roma und dem Kulturstaatsminister beendet Konflikte über Mahnmals-Inschrift. Karavan-Entwurf soll realisiert werden" ...

Durchaus einige Verwirrung unter den Opfergruppen und deren Vertretern. Allem Anschein nach handelte es sich hierbei jedoch lediglich um die Versuche dieser Pressehäuser, das alljährlich wiederkehrende “Sommerloch“ auf dem Rückenunserer Opfer auszufüllen.

Der “Bundesrat der JENISCHEN in Deutschland“, die von ihm vertretenen Mitgliedsverbände des “Jenischen Bundes in Deutschland e.V. (J/B/i/D)” und die “Union der Jenischen Minderheit in Europa (U/J/M/E)“ können solche verwerflichen Taktiken unserem Empfinden nach skrupelloser Medienvertreter nur auf das schärfste verurteilen!

Wir forderten in einer offiziellen Protestnote an die betreffenden Berliner Medienhäuser, dass diese ihre Berichterstattung zukünfig nach den tatsächlichen Gegebenheiten richten und nicht auf dem Rücken unserer Holocaustopfer und deren Andenken, den Gefühlen ihrer Hinterbliebenen, aufgrund rein kommerzieller Gesinnung Meldungen herrauszugeben, die lt. BKM jeglicher Legitimation durch die Entscheidungsträger entbehrten! Man nahm hier bewusst in Kauf, dass diese Meldungen unter den Angehörigen der Opfergruppen, die von diesen Meldungen betroffen waren, unnötige Ängste, unsägliche Schmerzen und zum Teil auch die wildesten Spekulationen entfacht wurden. welche die o.g. Empfindungen nur noch verstärkten!


Wir werden solange kämpfen, bis wir auch die Gerechtigkeit für unsere vielen Opfer erhalten! Und wir lassen uns weder durch die Drohungen, die immer mal wieder in unserem Bundes-Sekretariat eingehen einschüchtern, noch lassen wir uns (ver)kaufen!


Wir sind einzig und allein unserem JENISCHEN Volk und seinen Opfern verpflichtet und werden dieser Verpflichtungauch nach bestem Wissen und Gewissen versuchengerecht werden. Ehrenwort!

 

Wir bitten aber allerdings auch um Verständnis, wenn wir uns sicherlich nicht an diesen Spekulationen zu den zur Zeit ja noch gar nicht beschlussfähigen Themen sowie die angeblich bereits getroffenen Entscheidungen durch die Politk, welche ja z. Zt. immer mal wieder durch die Presse verkündet werden, auch nur im Geringsten beteiligen wollen ....

Wir sind ausschliesslich unserem JENISCHEN Volk, dessen Interessen und dem Andenken und der Ehre unserer vielen tausenden von Opfern verpflichtet und dem ist bekanntlich nur mit Fakten Rechnung zu tragen.

 

Mit wirren Spekulationen und leeren Ankündigungen der Presse, die verständlicherweise versucht ihr alljährliches “Sommerloch” zu füllen, kommen wir unseren Zielen keinen Schritt weit näher ...


Aktuell laufen Gespräche zwischen den Vertretern des "Bundesrats der Jenischen in Deutschland", unseren Partnern und dem BKM um MD Dr. Roik, um evtl. doch noch einen Kompromiss zu finden, mit dem alle Beteiligten leben können ... Wir werden natürlich über die tatsächlichen Ergebnisse dieser noch andauernden Gespräche zu gegebener Zeit informieren ....

 

In stillem Gedenken an unsere vielen tausenden von JENISCHEN Opfern ....

Der heutige Nachfolge-Staat trägt doch die Last der Verantwortung gegenüber allen (!) Opfern und Hinterbliebenen der national-sozialistischen Gräueltaten,der J/B/i/D e.V. unterstützt deshalb nachwie vor folgende Inschrift....

Wir gedenken aller Kinder, Frauen und Männer der

Sinti & Roma, Jenischen, Cale, Calderasch, Lovarau.a.,

die von den Nationalsozialisten in ihrem menschenverachtenden Rassenwahn in Deutschland und im besetzten Europa vom Greis bis zum Kleinkind verfolgt und ermordet wurden.

Wir trauern um alle Opfer dieses systematisch geplanten Völkermordes.

Ihre Leidensgeschichte soll allen nachfolgenden Generationen als Mahnung dienen, um in der Gegenwart und in der Zukunft solche Verbrechen überall auf der Welt zu verhindern ....

Dieser, in ähnlicher Form bereits von der SAD e.V. vorgeschlagene Widmungstext UND eine Umfassende Dokumentation der Verfolgungsgeschichte ALLER als ZIGEUNER verfolgten Gruppen dieser Schreckenszeit, sollten unserer Meinung nach auf einem Mahnmal das für die als ZIGEUNER verfolgten der NS-Zeit stehen soll, zum Ausdruck kommen.

In dieser Dokumentation müssen alle als ZIGEUNER verfolgten Völker namentlich erwähnt und Ihre Leidensgeschichte vom Anfang bis zum bitteren Ende erzählt und auch umfassend dokumentiert werden. Eine Dokumentation die lediglich die Verfolgungsgeschichte der Sinti & Roma berücksichtigt, ist eine Verfälschung der Geschichte und kann so von der JENISCHEN Minderheit nicht hingenommen werden.

Nur so wird man allen Opfern dieser Verbrecher in gleichen Maßen gerecht, und es wird niemand ausgeschlossen! Die Leute, die das Wort ZIGEUNER als Beleidigung aussprechen, diese werden dies auch mit den Worten JENISCHE / SINTI / ROMA usw. bestimmt nicht "freundlicher" meinen!

Alternativ kann für das Wort ZIGEUNER auch auf die Namen der vefolgten Volksgruppen einschliesslich der JENISCHEN (!), zurückgegriffen werden. Hier muss jedoch ebenfalls eine umfassende und vor allem gleichberechtigte Dokumentation der Leidens & Verfolgungsgeschichte ALLER als ZIGEUNER verfolgten Menschen anschliessen!

Auch unseren JENISCHEN Opfern gebührt endlich Gerechtigkeit Herr Neumann!

Stand Ende März 2007:

Aktuell: Vertreter des J/B/i/D e.V. & J/K/V e.V. werden als Repräsentanten der Jenischen aus ganz Europa in Bonn erstmals von der Bundesregierung zu diesem unwürdigen Disput (welcher bisher ja allein unter den Vertretern der Sinti, Roma und der Bundesregierung geführt wurde) angehört. Somit wurde endlich auch den JENISCHEN Holocaustopfern und Ihren Opferverbänden die lange verweigerte Aufmerksamkeit entgegen gebracht, die ja eigentlich allen Opfern der NS-Schergen zustehen sollte!

Jenische treffen Ministerialdirigent Roik ...

Vom NS-Regime wurden Hunderttausende Jenischer als sog. „ Zigeuner” verfolgt und in Konzentrationslagern ermordet. Ihrer muß angemessen gedacht werden. Ein Mahnmal nur für „Sinti und Roma” grenzt unsere Toten und die vieler anderer sog. “Zigeuner-Völker“ aus. Eine solche erneute Diskriminierung können und wollen wir nicht dulden!” sagte Timo A. Wagner, Vors. des Bundesrates der Jenischen in Deutschland (JBiD) und Mitglied im Europarat der Union der Jenischen Minderheit in Europa (UJME).

Bereits am Mittwoch setzte sich in Bonn eine Delegation Jenischer mit dem Mitarbeiterstab von Bernd Neumann, dem Kulturbeauftragten der Bundesregierung, in konstruktiver Atmosphäre über ihren Standpunkt zum geplanten Mahnmal für alle in der NS-Zeit als „Zigeuner” Verfolgte auseinander.

„Es muß in Deutschland eine Gleichstellung der Jenischen mit den Sinti und Roma her”, forderte Alois Lucke, Präsident des Jenischen Kulturverbandes Österreich e.V. und Mitglied des Europarates der UJME, „bei uns ist das längst geschehen, die offizielle Bezeichnung lautet „Sinti, Roma und Jenische”. Unsere Volksgruppe muß in dieser Diskussion endlich gleichberechtigt berücksichtigt werden!” forderte er und fragte:„ Gibt es überhaupt eine Bereitschaft der deutschen Bundesregierung, dieses Mahnmal zu verwirklichen?"

„Ja, deshalb sitzen wir ja heute hier, um Sie anzuhören" entgegnete Ministerialdirigent Roik. Befragt nach dem aktuellen Stand der „Mahnmals-Diskussion" meinte er: „ Der Brunnen, Entwurf von Daniel Liebeskind, sei in Arbeit, man diskutiere noch technische Einzelheiten, „ und wir” fügte er hinzu, „sind im Gespräch mit Romani Rose vom Zentralrat der Sinti und Roma, mit Natascha Winter von der Sinti-Allianz, und heute mit Ihnen.“ Ministerialdirigent Roik umriss „die Problematik der Geschichte des Mahnmals, das ja ursprünglich für „Sinti und Roma” sein sollte…”, und wies auf die Nichtakzeptanz einer möglichen Widmung „Allen als Zigeunern Verfolgten…“ durch Romani Rose hin. „Wir Jenischen sind aber keine Roma und werden auch nicht durch den Zentralrat der Sinti und Roma vertreten”, betonte Timo A. Wagner, „wir Jenischen sind eine autochthone Volksgruppe mit eigener Sprache und Kultur, die sich erheblich von der Kultur der Sinti und Roma unterscheidet, und, wir Jenischen sind ein ureuropäisches Kulturvolk und schon immer hier im Europäischen Raum ansässig.”

Zur Widmung des Mahnmals meinte Alois Lucke:“Manche von uns nennen sich „Zigeuner”, manche nicht, aber, wir wurden durch unsere ähnliche, nomadische Lebensart, die dadurch bedingten gleichen Gewerbe die Jenische wie auch Sinti ausübten und durch nicht zuletzt auch durch die Rassentheorien eines Dr. Dr. Ritter und Eva Justin usw. von den Nationalsozialisten als „Zigeuner” verfolgt und ermordet, das ist eine historische Tatsache, das darf nicht vergessen werden.” „Und im Übrigen”, sagte er, „wenn die Bundesregierung Deutschland den vom NS-Regime verfolgten Zigeunern ein Mahnmal widmet, sehen wir Jenischen keine Berechtigung des deutschen Zentralrats der Sinti und Roma, für alle betroffenen Opfer zu sprechen und allein über die Widmung zu entscheiden, zumindest für die österreichischen Zigeuner spreche ich ihm das ab. Es muß das „Recht auf Gleichbehandlung" gelten, und auch die Jenischen NS-Opfer und andere Betroffene müssen hier benannt werden".

Timo A. Wagner stimmte dem auch für die Jenischen in der BRD zu und betonte: „ Die BR Deutschland als Nachfolge-Staat des NS-Regimes steht in der Verantwortung allen NS-Opfern gegenüber! Von Seiten der Jenischen wurde darauf hingewiesen, daß dem auch die Sinti-Allianz bereits mehrfach zugestimmt hätte. Abschließend wurde noch gesagt, man hoffe, dass durch dieses Gespräch deutlich geworden sei, dass im Gegensatz zum Beginn der Mahnmalsdiskussion 1992, die etwa 400.000 Jenischen in Deutschland nun sichtbar geworden sind und mit dem JBiD nun endlich auch in der BRD eine Stimme haben, die nicht überhört werden kann und darf.

Im Laufe dieses Gespräches wurde auch ein eigener Kompromiss-Vorschlag der Jenischen Opferverbände für die umstrittene Widmung auf diesem Mahnmal übergeben. Ministerialdirigent Roik betonte, wie wichtig ihm dieses Gespräch mit den Jenischen gewesen sei, das er inhaltlich „vom sachlichen und menschlichen Standpunkt her wirklich beeindruckend fand". Seine Abteilung sei eingerichtet worden, um alle Vorschläge zu überprüfen, im geschichtlichen Bereich mithilfe unabhängiger Historiker, und um Empfehlungen auszusprechen. Die Entscheidung liege dann letztendlich bei den Politikern und wird weitere Gespräche mit allen Beteiligten erfordern.

22.03.2007 g.h.

Zur Vorgeschichte dieses Gespräches:

Kulturstaatsminister Bernd Neumann und der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, Romani Rose, haben sich auf einen gemeinsamen Vorschlag für die Gestaltung des Mahnmals der unter nationalsozialistischer Herrschaft ermordeten Sinti und Roma geeinigt. Aber die Opfer unter den JENISCHEN, die ja auch als ZIGEUNER verfolgt und ermordet wurden, werden wieder einmal nicht (!) berücksichtigt!

Wieder einmal wurde das JENISCHE Volk und unsere Opfer übergangen!

Die Bundesregierung und der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma vereinbarten, auf den Begriff "Zigeuner" in der Inschrift zu verzichten.

Für das von dem Architekten Dani Karavan entworfene Denkmal in Gestalt eines Brunnens, soll es keine zentrale Inschrift geben. Stattdessen, so der Vorschlag von Bernd Neumann und Romani Rose, werden die Namen der nationalsozialistischen Vernichtungslager auf hinführenden Platten eingraviert.

Zusätzliche Tafeln sollen das Mahnmal erläutern. Eine Tafel wird die Inschrift tragen: “Wir gedenken aller Roma, die im nationalsozialistisch besetzten Europa dem planmäßigen Völkermord zum Opfer gefallen sind.” Der Begriff "Roma" wird hierbei als international üblicher Obergriff für alle verwandten Volksgruppen verwendet.

Eine weitere Tafel wird eine Chronologie der Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma als “Zigeuner” durch die Nationalsozialisten auflisten. Unter dieser Chronologie werden Zitate des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt von 1982 und des Bundespräsidenten a.D. Roman Herzog von 1997 über den Völkermord an Sinti und Roma stehen.

Fruchtbarer Dialog zwischen Neumann und Rose ...

Bernd Neumann würdigte nach dem Treffen im Bundeskanzleramt das “offene und gute Gespräch”. In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Romani Rose, bezeichnete er das Gesprächsergebnis als “sehr akzeptabel”. Romani Rose hob die Bereitschaft des Kulturstaatsministers hervor, eine Lösung für die strittigen Fragen um die Denkmalgestaltung zu finden.

Zum weiteren Vorgehen erklärte Bernd Neumann: “Ich werde nun mit unserem Koalitionspartner sprechen und hoffe, dass man unserem Vorschlag zustimmt. Dann kann mit dem Bau des Mahnmals zügig begonnen werden.” Vorgesehen ist außerdem ein Gespräch zwischen Kulturstaatsminister Neumann und der Sinti Allianz Deutschland.

Bislang wurde die Errichtung des Mahnmals verzögert, weil Bundesregierung und Opferverbände keine gemeinsame Lösung für eine textliche Gestaltung des Mahnmals finden konnten. Für die Errichtung des Denkmals hat der Bund Mittel in Höhe von bis zu zwei Millionen Euro bereitgestellt. Das vom Land Berlin zur Verfügung gestellte Grundstück, befindet sich südlich vom Reichstagsgebäude am Simsonweg.

Auch die Sinti-Allianz wurde vom Staatsminister Neumann empfangen ...

Auch die Vorsitzende der SAD e.V. sagt über die JENISCHEN Opfer: “die JENISCHEN wären ethnisch (!?) zwar keine ZIGEUNER ...”

Kulturstaatsminister Bernd Neumann hat heute die Vorsitzende der Sinti Allianz Deutschland e.V., Natascha Winter, zu einem Gespräch im Bundeskanzleramt empfangen.

“Aber sie wurden als solche von den NAZI`s ermordet, das steht fest ...”

Thema war die textliche Gestaltung des geplanten Mahnmals für die unter nationalsozialistischer Herrschaft ermordeten Sinti, Roma und verwandter Volksgruppen. Frau Winter erläuterte die Position der Sinti Allianz zum derzeitigen Diskussionsstand und lehnte eine Bezeichnung der Opfergruppen als "Roma" ab.

Übereinstimmung bestand darüber, dass das Mahnmal keine Inschrift tragen wird, und dass eine Tafel mit der Chronologie der Verfolgung und Vernichtung aufgestellt werden soll. Staatsminister Bernd Neumann betonte: “Auf der Grundlage der Gespräche mit Herrn Rose und Frau Winter, wird mein Ressort einen inhaltlichen Vorschlag für das Mahnmal entwickeln”.

Auch mit dem Architekten des geplanten Denkmals, Dani Karavan, werde ich demnächst ein Gespräch führen. Dann werde ich den Koalitionspartner und die kulturpolitischen Sprecher der Fraktionen des Deutschen Bundestages unterrichten, um für diese wichtige Gedenkstätte möglichst breite Zustimmung zu erreichen."

Darf es wirklich Opfer der Ersten, der Zweiten und der Dritten Klasse geben!?