Die Grundsatzerklärung 2007/8


Der Vorsitzende des Bundesrats erklärt:
Zur Lage der JENISCHEN in der BRD 2007

Der BUNDESRAT der JENISCHEN in Deutschland - J/B/i/D e.V. erklärt:

„Die Diskriminierung der JENISCHEN Minderheit in den alltäglichsten Angelegenheiten hat auch im Deutschland des 21. Jahrhunderts noch kein Ende gefunden“

JENISCHE, das ist die Eigenbezeichnung der ureuropäischen Minderheit, die nach der Sprachwissenschaft sinngemäß auch als ‚Eingeweihte, „Wissend“ oder auch einfach nur Schlau’ übersetzt werden kann. Andererseits gelten sie schon seit Urzeiten auch als der Inbegriff für „Die Jenseitigen“, also die außerhalb der Gesellschaft lebenden Menschen, deren Namen man nicht aussprechen will“. Die Geschichte der JENISCHEN, seit Urzeiten auch eine Geschichte des Leidens, der Verfolgung!

Aber auch die Geschichte eines Volkes mit dem unbändigen Drang nach Freiheit und Selbstbestimmung. Immer wieder wurde versucht den JENISCHEN Ihre „Reisende“ Kultur, Ihrer Sprache und zuletzt auch noch Ihrer Kinder zu berauben, bzw. Sie endgültig „sesshaft“ zu machen. In vielen Teilen Europa`s kennt man die JENISCHEN, die so genannten „Weissen Zigeuner“ schon seit jeher als ständig wiederkehrender Teil Ihrer Geschichte. Im Gegensatz zu den „Sinti & Roma“ waren die JENISCHEN schon immer in Europa unterwegs, neuere Publikationen von Namenhaften Wissenschaftlern sehen in den JENISCHEN als direkte Nachkommen der KELTEN. Die von selbsternannten „Ziganologen“ weit verbreitete Lüge das die JENISCHEN eine Art „Stamm“ oder „Unterkultur“ der „Roma“ seien ist schlichtweg falsch! Die Sinti und Roma haben einen Indisch/Pakistanischen Ursprung während die JENISCHEN, einen europäischen, wahrscheinlich sogar keltischem Ursprung haben. Ursprünglich links der Donau ansässig zogen sie, warum auch immer, durch den ganzen Kontinent! Sie waren die ursprünglichen europäischen "Zigeuner", wenn man die Bezeichnung "Zigeuner" als den Überbegriff für die Reisenden Völker allgemein verstehen will. Aber die JENISCHEN sind weder mit den Sinti noch mit den Roma „ethnisch“ verwandt.

Die ähnliche Lebensweise und der Einfluss des Anteils der "JENISCHEN", die auf Grund von Eheschließungen mit diesen Verbunden waren, führten zu vielen "gemischten" Familien-Clans, die zumeist keinen leichten Stand innerhalb der Volksgruppen hatten, und diesen teilweise noch heute haben. Durch die ähnliche Kultur und die meist gleichen Berufzweige, die das "Reisende" Gewerbe nun mal mit sich bringt, ist vielleicht auch in den meisten Fällen das Unbehagen, oder besser gesagt das "Konkurrenz-Denken" der verschiedenen Volksgruppen der "ROMA`s" untereinander, das in den meisten Fällen wiederum auf Gegenseitigkeit beruht, zu erklären. Zudem sind die kulturellen unterschiede zwischen den Roma und den JENISCHEN noch erheblich größer als die zu den Sinti`s, welche nach Ihren eigenen Gesetzen eigentlich auch keine Berührungen mit den Roma haben dürften.

Aber dies ist wieder ein anderes Thema und sollte auch von den Beteiligten selbst geregelt werden. Fakt ist das es schlicht und einfach eine Geschichtsverfälschende, ja vorsätzlich verbreitete Unwahrheit ist wenn behauptet wird die JENISCHEN wären eine Art „Stamm“ der Roma und der J/B/i/D e.V. wird sich im Rahmen der U/J/M/E für die Richtigstellung dieser Tatsache einsetzen und versuchen der Mehrheitsbevölkerung die tatsächliche JENISCHE Kultur, Ihre „Reisende“ Lebensart näher zu bringen. Hierzu muss man keineswegs seine JENISCHE Identität für ein paar Groschen Subvention an die Roma verkaufen denn auch unsere uralte JENISCHE Kultur, Sprache und Lebensart ist nichts für die man sich schämen muss und steht der Vielfalt und der Einzigartigkeit von anderen Kulturen Europa`s in nichts nach. Die Jenischen wurden über die Jahrhunderte stets im Kontext des Zeitgeistes der Mehrheitsgesellschaft wahrgenommen. Was sie aber durch all diese Zeitzeugnisse wie ein roter Faden identifiziert, sind drei immer gemeinsam auftretende Phänomene:

Die Jenischen kennen als Volk keine Hierarchie, die sich auf Stammestraditionen oder Sippen gründen. Vielmehr ist jeder Jenische ein „pares inter pares“, ein sich selbst Bleibender unter Gleichen. Auch kulturell oder familiär

begründete Rollenverteilungen zwischen weiblichen und männlichen Personen sind den Jenischen seit alters her fremd. Respekt gilt es den älteren Menschen der Gruppe zu erweisen und von jenen fürs Heute zu lernen. Religionszugehörigkeiten oder Gesinnungsbekundungen waren und sind zumeist Schutzmäntel in totalitären und ideologisierten Räumen, unter denen man seinen über die Jahrhunderte gewachsenen Gruppenanarchismus leben konnte. Durch Menschen aufgestellte Regelwerke, Gesetze und Prinzipien, die Anspruch auf Gemeingültigkeit erheben, erscheinen ihnen suspekt und dem Mysterium des Daseins und der Vielfältigkeit der Situationen nicht gerecht zu werden. Versuche, die Jenischen auf eine Leistungsgesellschaft zu konditionieren oder bürgerlich zu sozialisieren, waren aus diesen Gründen stets zum Scheitern verurteilt. Vielmehr strebten die Jenischen nach Autonomität im Wirtschaftsverhalten und so fanden sie wie das Wasser einen Weg, ihre Eigenart über die Zeiten zu bewahren.

Obwohl im Nationalsozialismus Publikationen und Schriftreihen des Reichsgesundheitsamtes und der „Rassentheoretiker“ Robert Ritter und Eva Justin die Jenischen als mit den Roma und Sinti ethnisch nicht verwandte Gruppe darstellten, wurden die jenischen Menschen als so genannte „Zigeunermischlinge„ oder „Asoziale“ verfolgt, in Konzentrationslager deportiert und vielfach ermordet. Im Weltbild der Nationalsozialisten widersprachen „Mischlinge“ noch stärker der Vorstellung einer „reinen Rasse“ als die von ihnen zu „minderwertigen“, aber “reinrassigen“ Menschen erklärten Personen, weshalb sie jenische Menschen teilweise noch schlechter behandelten als Sinti und Roma, welche zu Beginn des NS-Terrors als „reinrassige“ Zigeuner noch von der Verfolgung ausgenommen waren. Hunderttausende von JENISCHEN fanden in den KZ`s der NAZI-Schergen oder durch deren Verfolgung, durch die erzwungene „Frontbewährung“ usw. den Tod. Viele der mit 500 000 Opfern angegebenen Toten unter den „Zigeunern“ waren JENISCHE, wobei die tatsächliche Opferzahl weitaus höher liegt! Nur, kein JENISCHER wurde jemals rehabilitiert, erhielt eine Entschädigung wie die anderen Holocaustopfer oder auch nur eine offizielle ‚Entschuldigung vom deutschen Nachfolgestaat!

Im Gegenteil, die JENISCHEN sind das einzige „Zigeunervolk“ dem man die Anerkennung als „ethnische“, bzw. „authochtone“ Minderheit verwehrt, und das trotz der Tatsache das die JENISCHEN mindestens die gleichen Vorraussetzungen hierfür erfüllen wie z.B. die Sinti, die Roma oder durchaus auch wie die Juden! Hier wird dann auch das neue AAG, welches ja gerade erst im August letzten Jahres von der aktuellen Bundesregierung verfasst und verabschiedet wurde wieder „ausgesetzt“, aber wahrscheinlich sind in der BRD nur manche wieder etwas „gleicher“! Selbst das schon so lange geplante Mahnmal in Berlin, welches ja damals für die „als Zigeuner verfolgten“ Opfer des Dritten Reiches erinnern und die zukünftigen Generationen ermahnen soll, soll nun nach dem Willen des Zentralrates der Sinti & Roma und der deutschen Bundesregierung die JENISCHEN Holocaustopfer, welche ja den Großteil der „als Zigeuner verfolgten“ Opfer stellten, wieder einmal ausschließen! Damit macht man sich dann gegenüber diesen Opfer zum wiederholten Male schuldig, nach 60 Jahren werden Sie wieder diskriminiert und Ihr Andenken und Ihre Würde durch die deutsche Obrigkeit und den Zentralrat der Sinti & Roma mit Füßen getreten! Wir fragen daher:

„Nur über seine Kultur kann man ein Volk noch vernichten auf das man nicht mehr schießen darf“ sagte einmal ein hoher NAZI-Funktionär, dieser „Völkermord“ auf Raten wird nunmehr seit fast 60 Jahren auch hier bei uns in Deutschland praktiziert, den JENISCHEN wird Stück für Stück Ihre Kultur, Ihre Lebensart und vor allem auch Ihre Identität genommen. Immer mehr JENISCHE Kinder finden sich wie damals in der Schweiz auch in Kinder und Erziehungsheimen wieder, die „Zwangsassimilierung“ läuft auf höchsten Touren und muss endlich gestoppt werden! Bezeichnungen durch die Polizeibehörden wie z.B. „reisender Sippe“, „mobiler ethnischer Minderheit“ oder auch „Landfahrer“ (noch aus der NAZI-Zeit), bei denen in Presseerklärungen gleich die ganze Volksgruppe quasi „Kriminalisiert“ werden sind an der Tagesordnung und finden in der Mehrheitsbevölkerung immer mehr Gehör.

Der Bundesrat der JENISCHEN in Deutschland und der Europarat der Union der JENISCHEN Minderheit ruft deshalb alle Politischen und Humanitären Einrichtungen, alle Menschen & Völkerrechtsorganisationen, alle Einrichtungen und Organisationen der „Zigeuner“ und vor allem die deutsche und europäische Mehrheitsbevölkerung zur Unterstützung unseres Kampfes um den Erhalt unserer JENISCHEN Identität, unserer JENISCHEN Kultur, Sprache und‚Lebensart und vor allem um den Erhalt unseres JENISCHEN Volkes auf und bittet hiermit offiziell um Hilfe! Auch die JENISCHEN haben ein Recht auf Ihren Platz unter den Völkern Europas, und zwar als die Minderheit die Sie nun mal sind, die JENISCHE Minderheit …..

Im Namen des Bundesrats der JENISCHEN in Deutschland,

des Europarates der U/J/M/E & des Bundes-Sekretariates des J/B/i/D e.V.


Timo Adam Wagner
Vorsitzender des Bundesrates der JENISCHEN in Deutschland