Sekretariat für Öffentlichkeitsarbeit & Presseservice im Bundessekretariat d. J/B/i/D e.V.:

Das offizielle Pressearchiv des J/B/i/D e.V. bei OpenPR.de

 

Offizielle Presse-Erklärungen:

 

"Offizielle Erklärung zum geplahnten ..."
Autor: U/J/M/E & "schäft qwant"
Datum: 29.8.2006 15:37

 

Gemeinsame Erklärung von
U / J / M / E & SCHÄFT QWANT
zum geplanten „Zigeuner-Mahnmal“ in Berlin, bzw. der Wahrung des Andenkens und der Würde der vielen tausenden JENISCHER Holocaust-Opfer.

 

Sehr geehrter Herr Staatsminister Neumann,

 

Vertrauensvoll wenden wir uns an Sie und hoffen, Beiträge zu einem konstruktiven Konsens und einer würdevollen, allen Opfern des Holocausts gerecht werdenden Lösung leisten zu können.

Die beiden oben genannten Organisationen wenden sich im Namen der ihnen angeschlossenen Vereine, Organisationen und Personen gemeinsam an Sie, da die Thematik nicht in die Zuständigkeit einzelner Vereine fällt, sondern das gesamte jenische Volk betrifft. Sowohl die UJME als auch „schäft qwant“ erfüllen in ihren Bereichen Dachverbands-Funktionen, sodass das gemeinsame Handeln gestützt wird von sämtlichen jenischen Organisationen in Deutschland, die sich politisch oder menschenrechtlich engagieren.

Seit Jahren wird in Deutschland um die Erstellung eines Mahnmals für die Holocaust-Opfer der „Sinti und Roma“ oder der „als Zigeuner Verfolgten“ gerungen. Dass dabei die Jenischen kaum je Erwähnung fanden, ist symptomatisch für den Umgang mit dieser Volksgruppe im Nachkriegs-Deutschland. Obwohl im "Dritten Reich" die gleichgeschaltete Wissenschaft in ihrem Wirken explizit auch auf die Jenischen fokussierte, gerieten die Jenischen im Zuge der Wiedergutmachungen in Vergessenheit. Die jüngere Wissenschaft betrachtet in Deutschland, im Gegensatz zu den wissenschaftlichen Entwicklungen in der Schweiz, die Jenischen in der Regel nur aus lokalhistorischen, volkskundlichen oder "sondersprachlichen" Blickwinkeln. Historische Arbeiten zu den Themen Zweiter Weltkrieg, Nazi-Deutschland, Holocaust erwähnen die Jenischen meist nur als Teil der "Asozialen" oder fehlen ganz. Auch dem Grundgesetz der BRD sollte doch der Gleichheits-Grundsatz als Grundlage dienen.

Ein Denkmal, das an die „als Zigeuner verfolgten Opfer dieser Zeit“ erinnern soll, darf die Jenischen und Ihre Tausenden von Opfern nicht ausschließen. Aus Respekt vor den Opfern und in der Hoffnung, dass die bisher an der Debatte um das „Zigeuner-Mahnmal" Beteiligten würdevoll zu einer Lösung finden, haben sich die Jenischen bislang der Teilnahme an diesem Disput enthalten. Die Tatsache das trotz vieler Versuche den Jenischen keinerlei Zugang zu diesen Verhandlungen ermöglicht wurde spricht ebenfalls für die inakzeptable Einstufung der Holocaustopfer in Werte-Klassen , wie man es von Seiten der Deutschen Bundesregierung hier vollzieht. Aber, nicht nur Sinti oder Roma wurden von den NAZI`s als Zigeuner verfolgt, auch tausende von Jenischen waren explizite Opfer der NS-Ideologie. Die Tatsache das viele der Sinti & Roma erst lange nach den Jenischen in das Visier der NS-Schergen gelangten wird hier wieder einmal ignoriert, ein solches Verfahren grenzt an den Straftatbestand der Wiederbetätigung, Herr Neumann.

Die in Deutschland zum Standardbegriff erhobene Wortgruppe „Sinti und Roma" definiert eine Klammer um zwei abgegrenzte, klar definierte Volksgruppen, und schließt hiermit auch die Jenischen aus. In der Schweiz und in Österreich ist mittlerweile die staatlich anerkannte und politisch korrekte Bezeichnung zu „Roma, Sinti und Jenische" erweitert worden.

Da die ethnisch verwandten Gruppen der Roma und Sinti einerseits und die Jenischen andererseits jeweils nur für sich selbst sprechen können, bleibt die Verantwortung eines allen Opfern gerecht werdenden Textes beim Erbauer des Mahnmals. Es kann weder die Aufgabe selbsternannter Zigeuner-Wissenschafter noch einzelner Exponenten der Volksgruppen sein, den Mahnmal-Text alleine zu formulieren. Der heutige Staat trägt die Last der Verantwortung seiner Vorgänger gegenüber allen Opfern und Hinterbliebenen der nationalsozialistischen Greuel.

 

Wir verweisen an dieser Stelle auf geltendes Recht, ebenso auf die internationalen Abkommen bezüglich der Menschen- und Völkerrechte, denen sich auch die BRD verpflichtet hat. In Vorbereitung der erwarteten Gesprächen übersenden wir Ihnen hier eine Aufstellung unserer Forderungen für die jenische Volksgruppe zu diesem Thema.:

1. Die gleichberechtigte Würdigung der jenischen Holocaust-Opfer bei diesem geplanten Mahnmal, es kann und darf keine Opfer der 1., der 2. und der 3. Klasse geben.

2. Die Aufarbeitung der Verfolgungsgeschichte der Jenischen im Dritten Reich und auch danach, mindestens jedoch im gleichen Maß wie die der Jüdischen, bzw. den Opfern unter den Sinti/Roma aufgearbeitet wurde und aufgearbeitet wird.

3. Die Gerechtigkeit für die jenischen Holocaust-Opfer, so wie sie die anderen Holocaustopfer schon lange erfahren durften. Diese sollte neben einer angemessenen Entschädigung auch eine Offizielle Entschuldigung des Deutschen Staates für die begangenen Verbrechen am jenischen Volk, und zwar während und nach dem Dritten Reich.

4. Der Holocaust an den Jenischen als eigenständige Gruppe, die von den Behörden des "Dritten Reichs" als "Zigeuner, Zigeuner-Mischlinge und nach Zigeunerart umherziehende Personen", bzw. „asoziales Leben“ sowie ab 1944 sogar allein schon wegen Ihrer jenischen Herkunft verfolgt wurde, ist gleichberechtigt mit den andern "als Zigeuner" verfolgten Gruppen zu anerkennen.

5. Daraus ableitend liegt es in der Verantwortung der Politik, diskriminierungsfreie Bezeichnungen für alle "als Zigeuner" verfolgten Gruppen zu definieren, die die Würde der Gruppen, ihrer Angehörigen und Opfer respektiert.

Man verweist uns seitens Ihres Hauses immer wieder auf die geltende Rechtslage, die das Fachministerium (!?) angeblich wiedergeben würde. Nun, eben diese Rechtslage stellt dieses „Fachministerium“ eben nicht dar, man legt seitens der Deutschen Behörden ständig Erkenntnisse längst vergangener Tage zu Grunde, warum wird nicht ein einziges mal (!?) auf die neuesten, wissenschaftlich belegten Erkenntnisse Rücksicht genommen?

Die Geschichte der Jenischen wird seit jeher von zwei Eckpfeilern geprägt, die bis heute öffentlich kaum wahrgenommen werden: Der jenischen Kultur und der jenischen Sprache, die keineswegs das „Rotwelsch“ Ihres „Fachministeriums“ ist.

Genau diese Eigenschaften legt man aber in Ihrem Haus einer „Volksgruppe“, die man anerkennen kann, zugrunde. Es ist eine Schande für das Deutschland des 21. Jahrhunderts, wenn man auch im Jahre 2006 noch nicht die Versäumnisse und klaren Rechtsbrüche der Vergangenheit ohne medienwirksame Protestaktionen oder aufwendige Gerichtsverfahren aus der Welt schaffen kann, um dann gemeinsam die Herausforderungen der Zukunft zu meistern.

Wir verbleiben in der Hoffnung das wir hier doch einen gemeinsamen Konsens finden können, denn die Jenischen in der BRD und in der E.U. haben schon mehr als genug Unrecht in Ihrer Geschichte erlitten. Wann wird wohl dem jenischen Volk auch in einem deutschen Rechtsstaat endlich die Gerechtigkeit widerfahren, die den anderen Holocaustopfern schon lange widerfahren ist !?

Wir danken Ihnen im voraus für eine wohlwollende Zurkenntnisnahme unseres Anliegens. Wir freuen uns auf offene und konstruktive Gespräche. In der Hoffnung, dem jenischen Volk einen Schritt in eine gleichberechtigte Welt für alle ermöglichen zu helfen, verbleiben wir und hoffen das dieser, doch unwürdige Disput nun bald ein Ende finden wird.

 

Im Namen und für
die JENISCHEN Holocaustopfer, deren Hinterbliebene und das JENISCHE Volk,